Zwei Tote und kein Bier

Zwei Tote und kein Bier
Die Krumme Möwe nach der Schlägerei

Die Krumme Möwe

Nach Feierabend wollte ich nichts weiter als ein Bier. Immerhin hatte ich den ganzen Tag hart an den Knüppeln für die Wache gearbeitet. Stattdessen betrat ich die Krumme Möwe und fand zwei Leichen auf dem Boden und Gregor, Lysa, Thyra und Celestina, die sich aus purer Not in den letzten Tagen zusammengefunden hatten, reichlich lädiert und im Zentrum jeder Aufmerksamkeit im Raum. Wo war ich da nur reingeraten.

Ein Bier, das nicht kommt

Während die Truppe die Toten fledderte – ich vermute, es gibt ein Gesetz dagegen, aber das ist nicht mein Fachgebiet –, setzte ich mich hin, um mein Bier zu bestellen. Old Jordan, der Wirt, war jedoch so aufgeregt wegen der Leiche in seiner eigenen Taverne, dass er mich schlicht vergaß. Kein Bier.

Beim Warten bekam ich mit, wie Gregor Old Jordan beruhigte: Die Toten waren Schläger, die Schutzgeld von der Taverne wollten. Notwehr. Zumindest hatte er nun erst einmal seine Ruhe.

Allerding war ein Teil der Bande war trotzdem entkommen, was vielleicht später zu einem Problem werden könnte.

Ich hatte übrigens noch immer kein Bier.

Alte Kollegen, neue Sorgen

Die Neuigkeit, dass in der Taverne Tote lägen, hatte sich schon herumgesprochen – weshalb mein alter Kollege Alric Dorn, Hauptmann der Wache, hereinkam, um nach dem Rechten zu sehen. Gregor gab sich alle Mühe, die Lage zu erklären: Lysa hatte wohl ein bisschen zu fest zugeschlagen, als die Bande die Taverne überfallen wollte.

Alric Dorn war von Selbstjustiz nicht begeistert, und auch ich wurde in die Sache hineingezogen – schließlich hätte ich es als ehemaliger Wachmann besser wissen müssen. Ich konnte glaubhaft versichern, dass ich gerade erst gekommen war und mit der Sache nichts zu tun hatte. Old Jordan bestätigte das. Lysa musste trotzdem später zur Wache – ein Bolzen zwischen den Augen war etwas viel Notwehr. Es mussten außerdem weitere Wachleute geholt werden, um sich um die Taverne zu kümmern.

Um die Lage zu beruhigen, bot ich an, die Wachmannschaft zu holen. Irgendjemand musste den Tatort sichern und später reinigen, und das war Arbeit, die ich selbst oft genug gemacht hatte. Immer noch kein Bier.

Ich holte die ehemaligen Kameraden und kehrte zurück, in der Hoffnung, endlich doch noch zu meinem Bier zu kommen. Während die Jungs sich um alles kümmerten, versuchte ich mein Glück erneut. Erst als die Leichen fort waren und Old Jordan die Taverne schloss, bekam ich es endlich. Beim Trinken fiel mir auf, wie schlampig die ehemaligen Kameraden aufgeräumt hatten. Noch immer eine faule Bande.

Der Auftrag

Spät am Abend versammelten sich alle noch einmal in der Krummen Möwe. Gregor wollte wissen, wo ich den ganzen Tag gewesen war – man hätte mich gut gebrauchen können. Ich wusste nicht, wie es bei Klerikern lief, aber ich musste arbeiten, um Geld zu verdienen.

Gregor machte sich Sorgen, dass die entkommenen Bandenmitglieder den Rest der Bande warnen würden und dieser glauben könnte, Old Jordan hätte die Truppe zu seinem Schutz angeheuert – mit entsprechender Rache im Gepäck. Ich hielt dagegen, dass es in dieser Gegend öfter vorkommt, dass sich Leute einmischen. Muss nichts bedeuten.

Als Lysa von der Wache zurückkam, hatte sie einen Auftrag: Nach Sera der vermissten Botin suchen. Alric Dorn wollte offenbar wissen, wo man in der Hafengegend eine verschollene Botin finden könnte – das Thema schien ihm sehr zuzusetzen.

Ich hatte keine Ahnung, wo sich Leute im Hafen versteckten. Aber ich hatte eine Idee, wo man Leute fand, die andere verschwinden ließen. Gregor wollte, dass ich half. Gut. Alric Dorn hatte mich ohnehin schon danach gefragt.

Dass ich nach all dem Drama sogar noch ein zweites Bier bekam, wollte ich als Zeichen deuten. Ich sagte zu, ein paar Orte abzuklappern. Lysa und Gregor wollten mit. Der Kleriker wollte sich morgen allerdings noch umziehen, um nicht so sehr aufzufallen – ein Geistlicher, der überall Fragen stellte, blieb im Gedächtnis. Auch Lysa wollte sich sicherheitshalber verkleiden. Die anderen blieben über Nacht in der Taverne, für den Fall, dass die Schläger noch einmal vorbeikamen.

Durch Kanäle und Kaschemmen

Zuhause ausgeschlafen, kehrte ich am nächsten Morgen zurück. Gemeinsam klapperten wir die Abflüsse der Kanalisation zum Hafen, das Rotlichtviertel und ein paar heruntergekommene Wohngegenden ab.

An der Ecke, bis zu der Lysa die fliehenden Schläger am Vorabend verfolgt hatte, fanden sie eine Blutspur. In Sachen Spurensuche müsste sie deutlich besser sein als Gregor oder ich – wir konnten nichts entdecken. Ein anderes Problem, das sich nicht lösen ließ, indem man es länger ansah.

Die Blutspur, die nirgendwohin führte

Wir suchten alle Orte ab, von denen ich wusste, dass Leichen auftauchen könnten. Die anderen beiden waren sich unsicher und wollten sichergehen, dass wir nichts übersahen. Als ehemaliger Wachmann konnte ich ihnen versichern, dass ich die zwielichtigen Orte meiner Heimat kannte und wir nichts übersehen hatten. Dass wir keine Leiche der Botin fanden, ließ mich hoffen, dass sie noch lebte.

Wir teilten uns auf. Ich fragte ein paar alte Bekannte, ob sie Sera kürzlich gesehen hätten. Heraus kam folgendes: Seit etwa zwei Wochen wurde sie immer seltener gesehen, in den letzten zwei Tagen gar nicht mehr. Einer glaubte, sie gestern noch am Brunnen des Stadtviertels gesehen zu haben – war sich aber nicht sicher. Könnte auch jemand anderes gewesen sein.

Der neue Prediger

Am Abend trafen wir uns wieder in der Krummen Möwe, und die anderen berichteten von den wildesten Gerüchten, die sie aufgeschnappt hatten. Keines davon betraf ein Verschwinden. Allerdings war es in der Hafengegend seit einiger Zeit deutlich friedlicher geworden – wegen eines neuen Predigers, der viel für das Viertel tat. Es gab inzwischen sogar eine kleine Kapelle für ihn. Zu Sera berichteten auch die anderen, man hatte sie vor etwa zwei Tagen, vielleicht gestern, zuletzt gesehen. Gregor hatte herausgefunden, dass sie mit ziemlicher Sicherheit kein Schiff bestiegen hatte.

All das Erzählen hatte mich durstig gemacht. Ich versuchte, den Kleriker dazu zu überreden, mir ein Bier auszugeben. Der gerissene Hund drehte es so, dass ich am Ende den ganzen Abend die Runden bezahlte.