Eine in Garthi verfasste Sammlung von Schriftrollen und Blätter, welche mehr schlecht als Recht zusammengebunden wurden. Verfasst im Frühjahr 519 BF durch Haubrecht Secundius zu Liederhofen.

Reisetagebuch

Eine kurze Zusammenfassung meiner Erkundungsreise.
Skizzen und Karte wurden für andere Werke verwendet, daher liegen sie bedauerlicherweise nicht bei…

5. der namenlosen Tage 519 BF

Am morgigen Tag werde ich erneut im Auftrag der Garde in Gareth aufbrechen, um eine Erkundungsreise durchzuführen. Dieses Mal geht es zum Finsterkamm um das Kartenmaterial des Militärs zu verifizieren und zu ergänzen.

6. Praios 519 BF

Noch frisch bei Kräften erreichte ich nach nur sechs Tagen die Quelle des Flusses Eslamsquell. Heute werde ich meine erste längere Rast beginnen, um den Proviant aufzustocken und um die mitgebrachten Karten zu prüfen.

7. Praios 519 BF

Das Jagdglück war mir hold und so habe ich die nächsten Tage mehr Zeit für die Karten. Eine wirklich schöne Gegend hier. Vielleicht kann ich mich hier eines Tages selbst niederlassen.

12. Praios 519 BF

Die Karten waren soweit in Ordnung, dennoch konnte ich kleine Verbesserungen vornehmen. Nunmehr ist nahezu alles verpackt und morgen früh werde ich meine Erkundungsreise Richtung Norden fortsetzen und dem Fluss Eslamsquell folgen.

16. Praios 519 BF

Ich bin auf die Mündung eines nicht verzeichneten Flüsschens gestoßen, welches sich wohl durch die besonders schneereichen Winter und das entsprechende Schmelzwasser der letzten Jahre geformt hat. Ab morgen werde ich diesem Bachlauf linker Hand folgen, um die Karten zu korrigieren. Ich bin gespannt zu erfahren aus welchen Quellen der Bach gespeist wird.

fehlende Seite

Hoffentlich nichts Wichtiges…

30. Praios 519 BF

Im Wald komme ich nur langsam voran, dennoch nähere ich mich stetig dem Gebirge des Finsterkamms, welches ich über die Baumwipfeln hinweg sehen kann. Seit vorgestern scheint eine Hitzewelle begonnen zu haben. Daher werde ich zwei oder drei Tage am Bachlauf pausieren.

2. Rondra 519 BF

Die Hitze hat weiter zugenommen, daher bin ich bei meiner Wanderung nahe am Fluss geblieben. Vermutlich muss ich schon bald wieder eine längere Pause einlegen.

5. Rondra 519 BF

Ein fürchterlich heißer Tag, dennoch setzte ich meine Erkundung östlich des Finsterkamms fort. Nicht weit von einer Stelle, an der der Fluss eine kleine Insel mit einer Turmruine umspülte schlug ich bei einem toten Baum mein Lager auf. Um meinen Proviant zu schonen, muss ich morgen zwingend jagen gehen.

7. Rondra 519 BF

Ich verbrachte zwei Tage damit, zu jagen und die Gegend zu erkunden. Allerdings mit wenig Erfolg. Derzeit trocknet das Bisschen an Fleisch, dass ich erjagen konnte über einem kleinen Feuer. Es ist nicht viel, aber es wird mich die nächsten Tage versorgen. Morgen werde ich meine Karte ergänzen und eine Skizze des Turms anfertigen. Da ich bei meiner Reisevorbereitung keine Erwähnung dieser Ruine gefunden hatte taufe ich diese, entsprechend der Region, auf den Namen Finsterturm.

8. Rondra 519 BF

Ich konnte meine Karten ergänzen und eine recht passable Zeichnung des Turms anfertigen. Leider ist die Hitze weiter gestiegen und selbst zur Nacht gibt es kaum Abkühlung. Daher werde ich morgen wieder aufbrechen, um ins Gebirge zu kommen.

9. Rondra 519 BF

Was für eine Nacht. Die Hitze war so unerträglich, dass ich keinen Schlaf gefunden habe. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass ich zur Mitte der Nacht eine Art Gemurmel oder Gesang von der Südseite des Flüsschens vernahm.

Vorsichtig kroch ich näher an den Fluss heran und versteckte mich hinter einigen Büschen. So konnte ich, im klaren Mondlicht, auf der anderen Seite eine Gruppe von sechs dunklen Gestalten beobachten. Sie trugen schmucklose schwarze Roben mit Kapuzen, welche sie tief ins Gesicht gezogen hatten. Sie schienen einem Weg zum Turm zu folgen, den ich bis dato noch nicht entdecken konnte. Da aber die erste der Gestalten eine große Feuerschale trug, konnte auch ich nun so etwas wie einen Pfad erkennen.

Unter andauerndem Gemurmel und Gesang und ohne zu zögern, überquerten sie die fast vollständig verrottete Brücke im Südosten. Als sie die Insel umrundeten, um die Ruine zu betreten drückte ich mich tiefer ins Gebüsch, aber nicht eine der Gestalten sah auch nur auf.

Kurz nachdem sie das alte Gemäuer betreten hatten, begann der Gesang deutlicher und lauter zu werden. Dennoch war er in einer mir völlig unbekannten Sprache, welche sich mit keiner vergleichen ließ, die ich bisher auf meinen Reisen vernommen hatte.

Dieser Gesang endete in einem Schrei aus sechs Kehlen, welchem ein blauer Lichtblitz folgte. Danach fiel nicht einmal mehr das Licht der Feuerschale aus dem Turm.

10. Rondra 519 BF

Nachdem stundenlang nichts geschehen ist und auch kein Geräusch mehr zu hören war, verfasste ich kurzerhand eine Niederschrift des Gesehenen und beschloss die letzten Momente der letzten Nacht zu nutzen, um mir ein genaueres Bild zu machen.

Ich kämpfte alle Ängste nieder und besann mich meiner jahrelangen Ausbildung als Aufklärer beim Militär und tauchte zur Insel hinüber. Am Eingang angekommen stellte ich überrascht fest, dass dieser nicht verschlossen war und trat langsam ein.

Das Innere der Ruine sah in keinster Weise besser als das Äußere aus, bot aber dank den Wänden und einigen Rankten etwas Deckung. So schlich ich durch das Erdgeschoss des Turms und entdeckte an der Ostseite die verkohlte Leiche des Trägers der Feuerschale, welche nun erloschen war.

Lediglich die Hände der Gestalt schienen vom Feuer verschont worden zu sein. Ich untersuchte vorsichtig den Toten, fand aber nichts. Nur an beiden Ringfingern befand sich jeweils ein schmuckloser und verrosteter Metallring.

Von den anderen Gestalten konnte ich keine Spur entdecken. Sie waren verschwunden…

Was auch immer hier vor sich ging, für diese Nacht hatte ich genug gesehen. So nahm ich einen der Ringe an mich, um ihn später zu untersuchen und begab mich auf den Rückweg in mein Versteck, von welchem aus ich weiterhin den Turm beobachtete.

An dem Ring konnte ich nichts feststellen. Er war aus Metall, von einer schlechten Qualität und hatte bereits an einigen Stellen Rost angesetzt. Er roch stark nach Eisen, hatte aber keine Gravuren oder Verzierungen. Da ich mich mit diesem Ding nicht wohlfühlte und mich auch auf keinen Fall damit erwischen lassen wollte vergrub ich ihn beim toten Baum.

13. Rondra 519 BF

Ich habe meinen Lagerplatz und meine Ausrüstung vorsichtig zusammengepackt, weiter nach Norden verlegt und die Spuren meiner Anwesenheit in der Nähe des Turms bestmöglich beseitigt. Die Turmruine lasse ich kaum aus den Augen. Dennoch ist bislang nichts mehr geschehen.

16. Rondra 519 BF

In der letzten Nacht erschien erneut das blaue Leuchten aus dem Turm, welchem ein Fackelschein folgte. Kurze Zeit später verließen sechs dunkle Gestalten den Turm. Vier trugen die verkohlte Leiche, einer eine brennende und ein anderer eine erloschene Feuerschale.

Sie schleppten den Toten zu einer kleinen Erhöhung auf der Westseite der Insel und legten ihn dort ab. Die brennende Feuerschale platzierten sie zu seinen Füßen, danach umstellten sie die erloschene Schale.

Kurze Zeit später begann ein Gemurmel, welches sich zum einer Art Gesang steigerte. Ähnlich dem von vor einigen Tagen. Zum Höhepunkt dieser dunklen Litanei verschluckte der Boden den Toten und das Feuer erlosch in der einen und erwachte in der anderen Schale.

Die Gestalten sangen noch weiter, doch ich zog mich zurück.

Noch in der Nacht begann ich meine Rückreise. Die Erkundung des Finsterkamms würde ich verschieben. Dies ist daher mein letzter Eintrag…