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    <title>Dungeons &amp; Dragons 5e · online-resources.de</title>
    <link>https://online-resources.de/categories/dungeons--dragons-5e/</link>
    <description>Meine kleine Sammlung von Allem...</description>
    <language>de</language>
    <copyright>© 2023–2026 online-resources.de</copyright>
    <lastBuildDate>Thu, 27 Aug 2026 20:00:00 +0200</lastBuildDate>
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      <title>Ein leerer Tag und ein Lied für Moradin</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-08-27-ein_leerer_tag_und_ein_lied_fuer_moradin/</link>
      <pubDate>Thu, 27 Aug 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
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      <description>&lt;p&gt;Von diesem Tag habe ich das meiste nur gehört. Ich schreibe es trotzdem auf, weil es sonst niemand tut, und weil ein Bericht aus zweiter Hand immer noch besser ist als eine Lücke.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;bestandsaufnahme&#34;&gt;Bestandsaufnahme&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Aufräumen ist Zählen. Man hebt auf, prüft, legt hin — brauchbar, nachzuarbeiten, Schrott.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Amboss war unversehrt, was zu erwarten war. Wer einen Amboss beschädigen will, braucht mehr Zeit, als ein Einbrecher hat. Die Esse war ausgeräumt, aber heil. Feilen und Zangen lagen verstreut, die meisten davon nur verbogen. Von den Punzen fehlten drei, von den Bohrern die halbe Reihe, dazu zwei Schraubstockbacken und mein zweitbester Hammer. Wer Werkzeug mitnimmt, verkauft es weiter; wer Werkzeug zertrümmert, will etwas sagen. Sie haben beides getan, und das passt schlecht zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das meiste an Schaden war Kleinarbeit: Regalbretter neu einhängen, die Werkbank abrichten, wo der Hammer sie getroffen hatte. Die Tischplatte hat jetzt ein Loch von einem Messer, das ich nicht einmal einschmelzen würde. Ich habe das Loch gelassen. Für die Kerbe wäre eine Einlage nötig, und ich habe im Moment Wichtigeres.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bis mittags stand die Werkstatt wieder so, dass man darin arbeiten kann. Nicht so, wie sie war. Aber so, dass ich weiß, wo alles liegt, und das ist die Hälfte.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;farben-zeigen&#34;&gt;Farben zeigen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Nachmittags zog ich die Farben der Wache an und ging in den Hafen. Grün und Goldrute am Wams, schwarzes Leder darunter, dazu der hohe Stahlhelm. Den Helm mochte ich schon im Dienst nicht: Er macht den Träger größer, nicht den Kopf sicherer. Schlagstock, Dolch und Faustschild sind besser durchdacht. Alric Dorn hatte gesagt, man versuchte herauszufinden, wo die Kaimesser sich aufhalten, und ich hatte gesagt, man sollte mir Bescheid geben. Beides ist eine höfliche Art, sich gegenseitig nichts zu versprechen. Also machte ich es selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich kenne die Gegend noch von früher. Fünf Jahre lang bin ich hier die Runden gegangen, und im Hafenviertel gehen die Streifen dichter als anderswo — es reicht trotzdem nie. Zwischen den Lagerhäusern gibt es mehr Durchgänge als Straßen, und wer das Viertel kennt, ist immer eine Ecke schneller als der, der es bewacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich ging die Reihe ab: Netzflicker, Fassbinder, zwei Seilereien, drei Schankstuben, ein Sackträger, der mir noch etwas schuldet. Bei jedem dasselbe: gute Tageszeit, ich frage im Auftrag der Wache, wer zahlt hier, an wen, wie oft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man sagt mir viel, wenn ich die Farben trage. Nur nichts Brauchbares. Ein Wirt erklärte mir, er zahlte niemandem etwas, und sah dabei zur Tür. Eine Seilerin sagte, es war alles in Ordnung, und ihre Hände sagten etwas anderes; Hände lügen schlechter als Gesichter. Ein Träger meinte, die Burschen kämen abends, aber nicht regelmäßig, und mehr wusste er nicht. Namen bekam ich keinen. Ein Haus, in dem sie sitzen, auch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ich bekam, war eine Ahnung von einer Ordnung: keine Zufallsbande. Wer wusste, an welchem Tag wer zahlt, sagte es mir nicht, aber er wusste es. So etwas wächst nicht in einem Monat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe das am Abend beim Wachposten hinterlegt. Es steht jetzt in einem Bericht, und Berichte sind wie Rohlinge: Sie liegen herum, bis jemand etwas daraus macht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;was-die-anderen-mitbrachten&#34;&gt;Was die anderen mitbrachten&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Zur fünften Stunde saßen wir wieder beisammen, und diesmal war ich derjenige, der zuhörte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thyra hatte am Morgen als Erste auf Gregors Abzeichnung geschaut und dazu vor allem sagen können, dass sie schön war — viel Geschwungenes, eine sehr gute Hand. Lesen konnte sie sie nicht. Ihre Zwerge in der Heimatstadt könnten das vielleicht, aber ein Brief dorthin dauert. Also hatten sie sich aufgeteilt: Gregor in seine Tempelbibliothek, Celestina in eine arkane, Thyra und Lysa in die Schankstuben, mit zwei kleinen Ausschnitten der Zeichnung zum Vorzeigen. Gregor behielt die vollständige Abschrift bei sich, weil es nur die eine gibt. Das war vernünftig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwerge fanden die beiden am Hafen kaum, und die, die sie fanden, schleppten Fässer. Sie wurden weitergeschickt ins Handwerksviertel, und dort fanden sie tatsächlich einen zwergischen Runenschmied.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sein Urteil, wie Lysa es mir wiedergab: zwergisch, ja. Verschmiert, ja. Vor allem aber richtig alt — sein eigener Meister hatte in einem ähnlichen Stil gearbeitet, seither hätten sich die Zeichen weiterentwickelt. Lesen konnte man solche Runen ohnehin nicht, man musste sie übersetzen, denn jede Hand schreibt anders, und anders geschriebene Runen bewirken anderes. Auf dem Ausschnitt erkannte er zwei verschiedene Arten von Zeichen und verschiedene Schwünge und schloss daraus, dass mehrere daran gearbeitet haben — falls die Unterschiede nicht bloß vom Abzeichnen kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für eine erste grobe Einschätzung nannte er Tage bis Wochen. Billig würde es nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist der Satz, an dem der Tag hängt. Lysa gab ihm ein Silberstück, damit er sich einliest, und fragte nach jemandem, der schneller ist. Der Schmied nannte einen Großmeister der Runen in Neverwinter, ein paar Wochen Reise entfernt, und fügte an, in Waterdeep konnte es niemand schneller als er. Ich kenne diese Sorte Bescheidenheit. Sie ist meistens verdient.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer die Wochen bezahlt, blieb offen. Lysa brachte den Tempel als Geldgeber ins Gespräch; Gregor sagte dazu, was er immer sagt — er ist nicht der Tempel, allenfalls streckt er vor und reicht die Rechnung ein. Wir alle zusammen bringen die Summe nicht auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Bibliotheken kam wenig heraus. Gregor bekam vom Bibliothekar eine zweite Reihe genannt, Reihe sieben, Ebene neun, wo tatsächlich zwergische Bücher standen. Er kann Zwergisch, er hat gelesen, er fand Allgemeines: einzelne Runen wie „Verstärken&amp;quot;, nichts zu den Hauptzeichen. Celestina erging es in der arkanen Bibliothek genauso, dazu wurde sie nach Ausweis und Turm gefragt und in den öffentlichen Teil verwiesen. Sie hat immerhin zwei oder drei Zeichen bestimmt und sich die Fundstellen notiert. Und sie hat beim Bibliothekar einen Zettel hinterlassen, mit dem sie einen Studenten sucht, der für kleines Geld im nicht öffentlichen Teil sucht — ausdrücklich einen, der das Geld braucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihr Befund am Ende des Tages: Das Runenhandwerk wird vom Meister an den Gesellen weitergegeben und steht nicht in Büchern. Das hätte ich ihr vorher sagen können. Es steht auch nirgends geschrieben, wie man eine Klinge härtet, ohne sie zu verziehen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;ein-lied-für-moradin&#34;&gt;Ein Lied für Moradin&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Teil des Tages, von dem ich am meisten hören wollte, war der, bei dem am wenigsten geplant war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thyra und Lysa gingen ins Tempelviertel, weil Runen und Götter bei den Zwergen zusammengehören. Vor dem Tempel Moradins standen fast nur Zwerge, und die Schlange war kürzer als bei den menschlichen Häusern. Lysa wurde beim Anstehen angesehen wie eine, die sich in der Tür geirrt hat. Drinnen, sagte Thyra, war es gemütlich, mit einem Spendenbrunnen in der Mitte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie erwies dem Allvater erst die Ehre auf zwergische Art — ein Zwerg schuldet Moradin sein Werk, nicht seine Worte — und nahm dann die Laute. Zwei, drei Lieder aus ihrer Kindheit. Die Leute blieben stehen und brummten mit, und irgendwann standen auch Priester dabei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit hatte sie, was kein Silberstück und keine Bibliothek gebracht hatte. Auf ihre Schilderung hin — Bande im Hafenviertel, entführte Botin, sehr alte Zeichen — fragte der Priester nach, was eine junge Verbrecherbande mit alten Runen zu tun haben sollte. Eine gute Frage; wir stellen sie uns selbst. Als der Fundort fiel, ein großer unterirdischer Raum in der Kanalisation, war sein Interesse geweckt. Er wollte hin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie haben ihn gewarnt, ausdrücklich: Sera und Celestina hatten hinterher vergessen, die Runen überhaupt gesehen zu haben. Er ging trotzdem, nur nicht allein — er holte einen zweiten. Warn und Öppdein, beide in Kutte gekommen und in Arbeitszeug wieder heraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unterwegs kam heraus, dass diese Stadt älter ist, als wir dachten. Nicht zweihundert Jahre. Die zwergischen Anfänge liegen rund achtundzwanzig Jahrhunderte zurück, die ersten Menschen hier gut sechshundert Jahre. Ich habe von den Melairkyn und ihrem Berg schon einmal erzählt; jetzt haben es die anderen von Leuten gehört, die es besser wissen als ich. Ihre Ahnen haben diese Stadt gebaut, sagten die beiden, und überall lägen vergessene Sachen der Ahnen herum. Nebenbei fiel noch, dass die Pläne, auf denen der Brunnen selbst noch eingezeichnet war, gut dreißig Jahre alt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf das Angebot, statt der Runen die Abschrift anzusehen, bestanden sie auf dem Original. Beim Abschreiben von so feinen Zeichen entstehen immer Fehler. Da haben sie recht, und es ist mir trotzdem nicht lieb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unten gingen sie hin und sahen es an. Thyra stand bereit, um sie wegzuziehen, wenn sie umfielen. Sie fielen nicht um. Einer kratzte Moos ab und freute sich über das, was darunter zum Vorschein kam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie bedankten sich, erklärten, sie bräuchten dafür nicht Stunden, sondern länger, und schickten die anderen weg. Wache brauchten sie nicht. Ausrüstung wollten sie holen. Mit ein paar Ratten würden sie fertig, sie wären schließlich Zwerge.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drei von uns haben in diesen Raum gesehen, zwei haben etwas vergessen, einer hat drei Stunden davor gekniet und alles behalten. Und jetzt sitzen zwei Priester Moradins davor, die nichts vergessen haben, mit der Absicht zu bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich weiß nicht, ob das ein Fortschritt ist. Ich weiß, dass unten inzwischen mehr los ist als hier oben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und mein zweitbester Hammer fehlt immer noch.&lt;/p&gt;
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    </item>
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      <title>Eine Zeichnung und ein Messer im Tisch</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-08-20-eine_zeichnung_und_ein_messer_im_tisch/</link>
      <pubDate>Thu, 20 Aug 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
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      <description>&lt;p&gt;Auf dem Rückweg zur Krummen Möwe passierte nichts. Kein Anführer der Kaimesser, der uns auflauerte, kein Überfall, nicht einmal ein Betrunkener, der uns anrempelte. Wir kamen nach und nach an, alle vier, unbeschadet. Ich habe das damals als gutes Zeichen genommen. Man sollte mit solchen Urteilen warten, bis der Tag zu Ende ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei Sera hatten Lysa und ich es tags zuvor versucht und waren nicht durchgedrungen. Alric Dorn hatte gesagt, sie braucht noch eine Weile, und wir könnten uns derweil um die Kaimesser kümmern. Seither trage ich seine Farben wieder und ein Schreiben mit Siegel in der Tasche. Wir müssen die Wache nicht mehr rufen. Wir bringen sie mit.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;was-auf-dem-tisch-lag&#34;&gt;Was auf dem Tisch lag&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Gregor begrüßte die Runde und fragte gleich nach den Ergebnissen. Celestina bestand darauf, zuerst Essen zu bestellen. Dann räumte sie den halben Tisch frei und legte ihre abgezeichneten Pläne aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwei Blätter. Auf dem einen der Kanal, wie er gebaut worden war, mit dem Sammelbecken, in dem wir gestanden hatten, dazu die Kürzel und Jahreszahlen, die sie sich mitnotiert hatte. Auf dem anderen derselbe Kanal ohne das Becken. Warum es aus den Zeichnungen verschwunden war, konnte sie nicht sagen. In den Chroniken hatte sie zusätzlich nach ungewöhnlichen Vorgängen in jener Zeit und Gegend gesucht und nichts gefunden als Alltag: Zunftjubiläen, Ehrungen, wer wem wann einen Zinnbecher überreicht hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf Nachfrage kam heraus, dass auch der jüngere Plan schon fast zweihundert Jahre alt ist. Das Becken fehlt also nicht seit gestern auf den Karten, sondern seit vor unserer aller Zeit. Wer immer den Raum aus den Unterlagen genommen hat, ist längst tot und hat trotzdem noch Erfolg damit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor legte sein Buch daneben, beziehungsweise das, was er davon behalten hatte: Von zwergischen Runen war darin die Rede, und ausgerechnet die Seite mit der genauen Erläuterung war herausgetrennt. Sauber herausgetrennt, von jemandem, der wusste, was er tat. Er räumte selbst ein, dass er nicht sicher wissen kann, ob auf der fehlenden Seite tatsächlich die Erklärung stand — nur, dass sie sonst nirgends im Buch steht und sich jemand die Mühe gemacht hat. Das ist ehrlicher, als es die meisten formulieren würden. Und es ändert nichts: Wer eine Seite herausschneidet, tut das nicht wegen des Papiers.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;zwergische-runen&#34;&gt;Zwergische Runen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Damit war die Frage im Raum, wen man dazu befragt. Celestina sah mich an und stellte fest, ein Schmied müsse Verbindungen zur Zwergengemeinschaft haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mein Meister ist ein Zwerg, aber er ist nicht mehr da. Außerdem ist er ein kauziger alter Mann, den außer mir fast niemand mochte, und die wenigen, die ihn mochten, hatten dafür Gründe, die sie niemandem erklärt haben. Selbst hatte ich nie viel mit Zwergen zu tun. Die trinken und reden nur. Und wenn sie nicht trinken und reden, dann reden und trinken sie. Ich sagte dennoch zu, mich umzuhören.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor merkte an, die Zwerge hätten damit offenbar eine Geschichte in dieser Stadt. Ich verwies auf das, was unter uns liegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Berg über dem Hafen ist innen nicht massiv. Lange bevor hier eine Stadt stand, stand hier ein Zwergenreich — Melairbode, Clan Melairkyn, die den Fels aufgemacht haben, weil Mithral darin lag. Für die Decken kauften sie bei den Elfen Magie ein, damit ihnen nichts einstürzt. Das hält bis heute, und das ist mehr, als ich über die meisten Häuser dieser Stadt sagen kann. Vertrieben wurden sie trotzdem, erst von den Drow, dann von Halaster. Heute sagen die Leute Undermountain und meinen damit den verrückten Zauberer, nicht die, die gegraben haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Gänge sind geblieben. Und Gänge hören nicht auf, nur weil oben jemand eine Kanalisation hineinbaut — niemand kann genau sagen, wo unsere Kanäle enden und der Undermountain anfängt. Wer unter dieser Stadt auf Steinmetzarbeit stößt, die älter ist als die Stadt, hat in der Regel Zwergenarbeit vor sich. Ein Becken, das keiner mehr in die Pläne zeichnet, mit Zeichen darin, die niemand mehr liest, passt in dieses Bild besser, als mir lieb ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor wollte außerdem wissen, ob im Vergleich der Pläne noch weitere Räume verschwunden waren. Um den Brunnen herum: nichts. Über die übrige Kanalisation ließe sich nur mit wochenlanger Aktenarbeit etwas sagen, und niemand am Tisch meldete sich freiwillig. Nach Sera fragte er auch. Nicht ansprechbar, aber in guten Händen. Mehr hatten wir nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Blieb der Abstieg. Runen abzeichnen, die uns beim Ansehen das Gedächtnis wegnehmen. Ich habe an dieser Stelle nichts gesagt, was zu wiederholen sich lohnt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;licht-leder-und-eine-chili&#34;&gt;Licht, Leder und eine Chili&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Diesmal rüsteten wir uns richtig. Gregor entschied, vollgerüstet zu gehen — Kettenhemd und Schild — und übernahm die Spitze, ich hinter ihm, dann die beiden anderen. Ich zog ebenfalls alles an, was ich habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über die Beleuchtung wurde länger geredet als über die Marschordnung. Gregor und ich haben beide einen Lichtzauber, Celestina wollte eine Fackel tragen, und Thyra erklärte, es habe ihr einmal jemand einen Feuerzauber zu erklären versucht, und sie habe ihn inzwischen fast heraus. Gregor konnte ihr dabei nicht helfen; was er an Feuer kann, kommt von Tyr, und das lässt sich nicht weitergeben wie ein Handgriff am Amboss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie saß daher mit einer Chili am Feuer, und irgendwann hatte sie es. Eine flackernde Flamme in der offenen Hand, die leuchtet, aber nicht heiß wird und die sie im Notfall nach jemandem werfen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor verzauberte danach Celestinas Keule, damit sie leuchtet — so hatte sie beide Hände frei und musste keine Fackel durch einen Gang tragen, in dem sich Gase sammeln. Celestina erkundigte sich nach schmutzabweisenden hohen Stiefeln, entschied sich dann fürs Einfetten oder Wachsen der eigenen und für robuste Kleidung. Vernünftig. Man kauft nicht für jede Aufgabe ein neues Werkzeug, man pflegt das vorhandene.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf die Frage nach Fernkampfwaffen zeigte Thyra ihre Armbrust vor. Gregor bestätigte, dass er auf Entfernung nur begrenzt etwas ausrichtet, und damit blieb die Reihenfolge, wie sie war: der Gepanzerte vorn, das Licht in der Mitte, die Armbrust hinten.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;ein-fetzen-stoff&#34;&gt;Ein Fetzen Stoff&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Hell beleuchtet und mit klapperndem Kettenhemd stiegen wir durch den Verschlag an der Kellertür ein, denselben wie beim letzten Mal. Wer uns hören wollte, hat uns gehört. Diesmal flohen die Ratten vor uns, statt anzugreifen. Auch Ratten lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Spalt vor dem Becken hielt Gregor an und fragte, ob sich etwas verändert habe. Ich sah nach und fand einen kleinen schwarzen Stofffetzen, der noch an einem Stein hing. Ich zog ihn heraus und gab ihn Gregor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stoff reißt an einer Kante, wenn jemand sich durchzwängt und es eilig hat. Der Fetzen war frisch, und zwischen unseren beiden Besuchen lagen ein Tag und eine Nacht. Wir waren also nicht die Einzigen, die sich hier umgesehen haben. Gregor erinnerte sich, dass er beim ersten Mal geglaubt hatte, eine Gestalt zu sehen, die uns von hier aus beobachtete. Er hatte offenbar recht gehabt, und das gefiel ihm sichtlich weniger, als recht zu haben sonst gefällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kultisten tragen schwarze Kutten. Das mussten wir uns gegenseitig nicht sagen, wir sagten es trotzdem. Dann stiegen wir nacheinander durch den Spalt, Gregor voran, danach ich, dann Celestina.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;was-das-moos-nicht-war&#34;&gt;Was das Moos nicht war&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Unten mahnte Gregor, dass sich nicht alle gleichzeitig die Runen ansehen sollten. Wenn das Vergessen alle gleichzeitig trifft, steht eine Gruppe im Dunkeln und weiß nicht mehr, warum sie unter der Stadt steht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Celestina hatte Papier und einen Kohlestift dabei und wollte die Rune durchreiben, ohne sie anzusehen. Die Idee war gut, das Maß nicht: Die Hauptrune liegt auf dem Boden des Beckens, und das Becken hat gut zwei Schritt Durchmesser. Es ist auch kein Ziehbrunnen, wie wir zuerst dachten. Es ist ein Becken, in das früher über einen Einlauf Wasser aus der Wand lief. Wasser führt es keines mehr, und die Bruchstücke davor legen nahe, dass der Einlauf irgendwann zugemauert wurde. Jemand hat hier nicht nur einen Raum aus den Plänen genommen, sondern ihm vorher das Wasser abgedreht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich sah mir die Runen als Erster an. Gregor blieb zwei Schritte hinter mir stehen, um mich notfalls festzuhalten, was ich weder verlangt noch abgelehnt habe. Beim ersten Versuch brachte ich gar nichts zustande, beim zweiten immerhin einen Befund: stark verwittert, von Moos überwachsen. Kein Flüstern, kein Vergessen, nichts. Nur schlechter Zustand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Celestina kletterte daraufhin hinein. Gregor wollte ihr vorher ein Seil umbinden, was sich erübrigte, weil das Becken flach ist. Sie schrubbte und kickte das Moos mit den Füßen weg und sah dabei betont woanders hin. Es hat funktioniert, nur half es wenig. Gregors eigener Blick bestätigte, was ich schon vermutet hatte: Nicht das Moos ist das Problem, sondern zweihundert Jahre feuchte Luft auf Stein. Verwitterung frisst Kanten. Eine Rune ohne Kanten ist ein Fleck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thyra fragte nach weiteren Runen. Es zeigte sich, dass das hier einmal ein ganzes Gebilde gewesen sein muss, ein Zusammenhang aus mehreren Zeichen. Ob die kleineren zur großen gehören oder von anderer Hand stammen, lässt sich nicht sagen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;drei-stunden-auf-den-knien&#34;&gt;Drei Stunden auf den Knien&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Für das Abzeichnen kam es aufs Werkzeug an. Celestina traute sich zu, die grobe Form festzuhalten, samt Ausrichtung im Becken und den ausgefransten Stellen, so wie man es bei alten Fundstücken macht; Tinte, Feder und Pergament hatte sie in ihrem Gepäck. Gregor aber hat Kalligrafenwerkzeug und die Ausbildung dazu aus seiner Klosterzeit. Celestina überließ ihm die Aufgabe ohne langes Feilschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das rechne ich ihr hoch an. Es gibt genug Leute, die eine Arbeit nicht abgeben, weil sie sie sich zutrauen, statt sie dem zu geben, der sie besser kann. Gute Arbeit braucht keine Erklärung, aber sie braucht die richtige Hand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor sprach ein kurzes Gebet zu Tyr, kniete sich hin und fing an. Ich habe von seinem Gott keine hohe Meinung und von seiner Zeichnung eine sehr hohe. Wir leuchteten ihm, so gleichmäßig wir konnten, und hielten Wache. Drei Stunden lang zeichnete er das gesamte Konstrukt ab, so gut es seine Finger und der Zustand des Steins zuließen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Zeit sammelte Thyra Moos und Pflanzen ein und fand einen Pilz, über den sie sich mehr freute, als der Ort hergab. Celestina und ich vertrieben uns die Zeit. Einmal liefen draußen Schritte vorbei. Sie kamen nicht herein. Niemand hat uns bei der Arbeit überrascht. Thyra ging danach noch die Wände ab und suchte nach weiteren Runen, fand aber nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende hatte Gregor schmerzende Finger, brennende Augen und die Zeichnung. Und er stellte fest, dass er sich nach drei Stunden Betrachtung immer noch an die Runen erinnert. Celestina hatte einen Blick gebraucht, um alles zu vergessen. Er sah sie drei Stunden an und behielt sie. Entweder wirkt es nicht mehr, oder es wirkt nicht auf jeden, oder es hat sich diesmal etwas anderes vorgenommen. Drei Möglichkeiten, keine davon beruhigend.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-offene-tür&#34;&gt;Die offene Tür&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wir stiegen mit leichten Kopfschmerzen von den Gasen wieder hoch. Draußen war es dunkel, das Badehaus geschlossen. Also einigten wir uns auf Waschen und Schlafen, und alle bis auf einen kamen ohne Zwischenfall in ihr Zimmer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich ging nach Hause. Die Tür meiner Schmiede stand offen. Ich schließe ab. Ich habe das Schloss selbst gebaut und weiß, wie es sich anfühlt, wenn es zufällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich packte das Schild fester, zog den Dolch und ging hinein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Werkstatt war verwüstet. Werkzeug fehlte. In der Tischplatte steckte ein Messer, und darunter ein Zettel: &lt;em&gt;Hör auf, rumzuschnüffeln.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe die Wache holen lassen. Alric lag schon im Bett; ein Kollege nahm die Anzeige auf und schickte Leute hin. Danach ging ich zur Krummen Möwe zurück, nickte Old Jordan zu, der schon die Theke putzte, und klopfte an die Zimmer der anderen. Ich berichtete vom Einbruch und von der Nachricht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thyra war sofort hellwach und erklärte, dann mache man erst recht weiter. Gregor stellte fest, man könne alle Geschäfte der Stadt ausrauben, aber nicht die Schmiede. Es sind beides Sätze, die nichts reparieren. Ich habe sie trotzdem gern gehört.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Old Jordan hatte ein Zimmer frei. Wir nahmen eine lange Rast, und weil ich ohnehin nicht schlief, baute ich einen Beutel der Bergung und eine Nachtsichtbrille. Danach tauschte ich meinen Lichtzauber gegen einen anderen Trick. Ich brauche kein Licht mehr aus der Hand, wenn ich es durch Glas bekomme.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;wer-kennt-einen-zwerg&#34;&gt;Wer kennt einen Zwerg&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Am nächsten Vormittag, einem späten, frühstückten wir in der Taverne. Eintopf, unabhängig von der Uhrzeit. Gregor legte die abgezeichnete Rune auf den Tisch und fragte in die Runde, wer Zwerge in dieser Stadt kennt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich kannte vor allem meinen Meister. Celestina argumentierte, ein gelernter Schmied komme über die Zunft und ihre Zusammenkünfte zumindest mittelbar an Zwerge heran — ich kenne vielleicht einen Zwerg, der einen Zwerg kennt, der Runen lesen kann, und ein ausgegebenes Bier hilft beim Weiterfragen. Sie hat nicht unrecht. Die Zunfttreffen hatte seinerzeit mein Meister übernommen, weil einer von uns arbeiten musste. Den einen oder anderen Zwerg kenne ich trotzdem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So verteilten wir die Aufgaben. Ich suche einen runenkundigen Zwerg. Gregor sieht noch einmal in seiner Tempelbibliothek nach und fragt zusätzlich nach Priestern, die sich aus reiner Neugier mit Runen befasst haben — Thyras Idee, und eine gute: In jedem Haus voller Regeln sitzt einer, der aus Langeweile über den Rand schaut. Celestina hört sich nach Magierakademien und Privatgelehrten um; Mirella in der Bibliothek hatte ihr dafür eine Wegbeschreibung quer durch die halbe Stadt gegeben.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;dietrich-hammer-dolch&#34;&gt;Dietrich, Hammer, Dolch&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Vorher gingen Thyra und ich zur Schmiede. Vor der Tür stand eine Wache und sah grimmig. Auf meine Frage hin sagte sie, man suche noch, vermute aber nach dem Messer die Kaimesser dahinter, und man versuche herauszufinden, wo die sich aufhalten. Der Zettel war offenbar nur eine Warnung, sich nicht einzumischen. Mitgenommen hatten die Täter wenig, kaputtgemacht viel. Ich bedankte mich und bat darum, mir Bescheid zu geben, sobald es Neues gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann sah ich mich selbst um, und meine Werkstatt erzählte mir mehr als der Bericht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hereingekommen sind sie mit einem Dietrich durch die Eingangstür. Kein Aufbrechen, keine Gewalt am Rahmen, saubere Kratzer im Schloss. Dann haben sie meinen eigenen Schmiedehammer genommen und damit die Einrichtung zerschlagen. Zuletzt den Dolch in den Tisch. Wer mit dem Werkzeug des Hauses das Haus zerlegt, will nicht stehlen, sondern etwas sagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf dem Zettel war dasselbe Zeichen, das ich bei den Kaimessern gesehen habe, als sie bei Old Jordan ihr Geld abholten. Und das Messer war so schlecht gearbeitet, dass ich es einschmelzen würde, statt es zu schärfen. Weicher Stahl, schiefe Fase, ein Griff, der nach zehn Schnitten wandert. Wer so etwas kauft, hat kein Geld oder keine Ahnung. Wer so etwas herstellt, sollte einen anderen Beruf lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thyra las die Spuren in Asche und Staub: zwei erwachsene Personen, nach den Schuhabdrücken männlich, keine Zwerge, dem Schrittmaß nach menschlich oder elfisch. Weggegangen sind sie in Richtung Hafen. Ich habe sie dabei nicht gestört. Jeder hat sein Handwerk, und sie versteht ihres.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;zwei-fälle-oder-einer&#34;&gt;Zwei Fälle oder einer&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Beim anschließenden Gespräch wogen wir ab, was der Überfall bedeutet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor hielt ihn für ein Zeichen, dass wir Aufmerksamkeit erregen, und damit für einen Fortschritt. Er wunderte sich allerdings, dass die Kaimesser mit den Runen im Kanal eigentlich nichts zu tun haben dürften — wobei sind wir ihnen dann zu nahe gekommen? Ich vermutete Sera. Gregor wandte ein, dass sie zwar unten gelegen hatte, vielleicht aber nur zufällig. Celestina formulierte die Frage, um die wir alle herumredeten: ob Kaimesser und Sekte zwei Fälle sind oder einer. Thyra hielt dagegen, die Sekte gelte bisher als harmlos, während die Kaimesser Diebe sind, die Lösegeld erpressen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe darauf keine Antwort. Ich weiß nur, dass mir seit gestern Nacht jemand mit meinem eigenen Hammer erklärt hat, dass ich näher dran bin, als ich dachte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als nächsten Schritt schlug Gregor vor, die Tavernen des Hafenviertels durchzukämmen und zu beobachten, wo die Kaimesser gerade Geld eintreiben. Wahllos jedes Haus zu durchsuchen geht nicht, und wer Schutzgeld nimmt, muss dahin, wo das Geld liegt. Thyra stimmte zu; auf der Suche nach Sera hatten wir ohnehin schon die halbe Gegend abgeklappert. Ich ergänzte, dass wir danach den Zwerg suchen und ihn nach jemandem fragen, der Runen lesen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Also: Tavernen abklappern, einen runenkundigen Zwerg auftreiben, in den Bibliotheken weitersuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und irgendwann eine neue Werkstatteinrichtung. Das steht auf keiner Liste, aber es steht.&lt;/p&gt;
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    </item>
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      <title>Eine Uniform und eine fehlende Seite</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-08-13-eine_uniform_und_eine_fehlende_seite/</link>
      <pubDate>Thu, 13 Aug 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
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      <description>&lt;p&gt;Meine Vorräte zu Hause waren aufgebraucht, also ging ich zum Frühstück in die Krumme Möwe. Nicht der schlechteste Grund, aus dem Haus zu gehen. Die anderen saßen schon da, und Gregor begrüßte uns mit der Feststellung, wir hätten uns allesamt wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt. Das Badehaus bekam ausdrückliches Lob — Bad und Schwitzbad. Ich hatte am Abend vorher meine Kleidung sicherheitshalber verbrannt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;was-noch-offen-war&#34;&gt;Was noch offen war&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Gregor kam gleich auf das Unerledigte: Die Runen unten im Kanal blieben zu untersuchen, also musste jemand noch einmal hinab. Er mahnte an, dass nicht alle sie gleichzeitig betrachten sollten. Ich ließ erkennen, was ich von einem weiteren Abstieg hielt, und stellte klar, dass ich allein keinesfalls hinuntergehen würde. Gregor gab mir recht: Wer damit rechnet, dort unten mehr als Ratten anzutreffen, steigt nicht einzeln hinab. Acht Kadaver sind eine Zahl, die man sich merkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann fiel der Vorschlag, von den Runen einen Abrieb zu nehmen, ohne sie zu lesen — ein Blatt darüberlegen und darüberreiben. Das ist eine ordentliche Idee. So nimmt man auch eine Punze ab, wenn man wissen will, welche Werkstatt ein Stück gezeichnet hat, ohne das Stück anzufassen. Ob Zeichen, die einer Frau das Erinnern nehmen, sich vom Papier abhalten lassen, weiß ich nicht. Aber es kostet nichts, es so zu versuchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das zweite Offene war Sera. Gregor wollte wissen, wie sie an diesen Ort gelangt war und ob sie sich — wie Celestina — an nichts erinnerte. Lysa hielt es für richtig, damit anzufangen: Sera kannte vielleicht weitere Ein- und Ausgänge, oder wenigstens den Weg dorthin. Wie bringt man ohne Magie jemanden dazu, etwas zu vergessen? Drogen kamen zur Sprache und wurden wieder verworfen. So etwas ist rauchig, qualmig, flüssig oder pulvrig. Es wirkt nicht über Licht. Gregor bestätigte noch einmal, dass er an den Runen keine Magie gespürt hatte, schränkte aber ein, dass sein Sinn auf göttliche Magie geht. Was ihm nicht in den Weg läuft, spürt er nicht. Und Celestina verwies darauf, dass es bei ihr das Betrachten der Zeichen gewesen war, das die Wirkung entfaltet hatte.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;arbeitsteilung&#34;&gt;Arbeitsteilung&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Daraus wurde der Plan für den Vormittag. Celestina wollte in eine Bibliothek, Thema Runen und Vergessen. Gregor bot an, die Bibliothek seines Tempels aufzusuchen, während Lysa und ich mit Sera sprächen — zum Überzeugen war Lysa ohnehin die Geeignetere, und für ein Gespräch braucht es keine drei Leute. Dagegen war nichts zu sagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Waterdeep hat als größte Handelsstadt drei Sammlungen: eine öffentliche, eine arkane und eine geistliche. Ohne Weiteres zugänglich ist nur die öffentliche. Gregor kam über seinen Tempel an die geistliche. Celestina erwog, sich von der Stadtwache ein Empfehlungsschreiben ausstellen zu lassen oder in Begleitung eines Studenten in die arkane zu kommen, und wollte den Gelehrten dort im Tausch unsere Erkenntnisse und die Lage des Fundorts anbieten. Nach kurzem Abwägen ging sie zuerst in die öffentliche — die dürfte zugleich Stadtarchiv sein, und was sie dort fände, ließe sich später als Tauschgut verwenden. Sie handelt mit Wissen wie andere mit Waren. Kann funktionieren, solange man nichts hergibt, was man selbst noch braucht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;ein-büttel-der-seine-arbeit-ernst-nimmt&#34;&gt;Ein Büttel, der seine Arbeit ernst nimmt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Lysa und ich gingen zur Wache. Bevor wir mit Sera sprachen, wollte ich Alric Dorn dazuholen — zum einen hatte er im Hintergrund vielleicht schon etwas in Erfahrung gebracht, zum anderen kannte Sera uns kaum, und ein vertrautes Gesicht hilft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Empfang saß ein mürrischer Büttel und wehrte erst einmal ab. Der Hauptmann sei beschäftigt. Worum es gehe, alle Angelegenheiten seien schließlich dringend. Ich ließ ihm ausrichten, dass Edric da sei. Mehr nicht. Er schnaufte, klopfte an, steckte den Kopf zur Tür hinein, meldete Edric wegen einer dringenden Sache und schlurfte zurück. Wir durften eintreten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lysa bemühte sich unterdessen, harmlos auszusehen. Das gelang ihr teilweise. Ganz vertrauenswürdig sieht sie nicht aus — aber auch nicht so, dass ein Büttel sie aufhält.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;sera-schweigt&#34;&gt;Sera schweigt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Alric berichtete, was er hatte, und das war wenig: Sera war wieder bei Bewusstsein, aber nicht wirklich ansprechbar, sie hatte nichts gesagt, und es ging ihr schlecht. Lysa fragte nach magischen Heilern in der Stadt und schlug vor, bei unverändertem Zustand einen zu suchen, der sich mit Magie und Runen auskennt statt mit Pflanzen und Verletzungen. Der Mann, den wir bezahlt hatten, war für Säubern und Verbinden zuständig gewesen, nicht für das, was in ihrem Kopf steckt. Alric wollte den Zustand zunächst weiter beobachten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich fragte, wie sie überhaupt in diesen Zustand geraten war und was sie im Kanal zu suchen gehabt hatte. Er wusste nichts Genaues. Sie hatte sich in letzter Zeit charakterlich etwas verändert, gesagt hatte sie dazu nichts. Damit war ein Besuch bei ihr vorerst sinnlos. Einen Plan für sie hatte er auch nicht — er steckte in den Kaimessern, jener Bande aus der Taverne, mit der sich Teile unserer Truppe bereits angelegt hatten.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;alter-sold&#34;&gt;Alter Sold&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ich kam ohnehin nicht zum Schmieden, und leben will man von etwas. Also bot ich Alric an, vorübergehend wieder in seine Truppe einzutreten, zum alten Gehalt. Er stimmte zu. Ein Maul mehr könne er noch füttern, auch wenn das Budget an den Docks bekanntlich knapp sei — an den Docks ist alles wichtiger als Sicherheit. Das war schon so, als ich das letzte Mal seine Farben trug, und es wird so bleiben, bis jemand die Rechnung dafür bezahlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mir kam es auf die Vollmachten an. Vor allem, weil die jüngeren Kollegen mich nicht kennen und sonst Fragen stellen, die niemandem nützen. Eine Uniform in meiner Größe hing noch hinten. Sie saß, wie sie damals saß. Ich zog mich um, erledigte den Papierkram beim Kollegen am Empfang und sah mir dann die Aufzeichnungen zu den Kaimessern an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vieles davon kam mir bekannt vor, und das hatte einen einfachen Grund: Die meisten Aussagen stammten von uns selbst und von einem Wirt, den alle Anwesenden gut kennen. Was in den Akten steht: Die Bande ist im Hafenviertel aktiv und zieht Schutzgeld ein. Zwei Erpresser wurden getötet, ein dritter entkam, seine Identität ist unbekannt. Wie viele noch übrig sind, weiß niemand. Die Führung ist nicht identifiziert. Zum Entkommenen gibt es keine Spur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Akte, in der nur das steht, was man selbst hineingegeben hat, ist kein Werkzeug, sondern ein Spiegel. Lysa las mit. Ich notierte mir ein paar Stichpunkte und sagte Alric, ich würde mich im Hafenviertel umsehen — allerdings in Zivil, mit der Uniform im Seesack. Wer die Farben sieht, redet anders. Meistens gar nicht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;zwei-zeilen-und-ein-stempel&#34;&gt;Zwei Zeilen und ein Stempel&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Lysa brachte noch etwas Praktisches ein: Es wäre angenehm, künftig nicht jedes Mal erklären zu müssen, warum wir im Zuge der Untersuchung irgendwo eingedrungen sind. Also bat ich zusätzlich um eine schriftliche Vollmacht mit Siegel. Alric stöhnte, schrieb mir aber einen Zweizeiler, wonach ich in seinem Namen ermittle, und stempelte ihn ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwei Zeilen und ein Stempel. Sowas wiegt nichts und trägt viel — wie ein guter Niet. Ich verstaute das Schreiben so, dass es trocken bleibt, schüttelte ihm die Hand und versprach, ihn auf dem Laufenden zu halten. Auf dem Rückweg berichtete ich Lysa von meinen Erkenntnissen. Sie war die ganze Zeit dabei gewesen. Sie hat es sich trotzdem angehört.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;was-mir-später-erzählt-wurde&#34;&gt;Was mir später erzählt wurde&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Was Celestina und Gregor in den Bibliotheken fanden, habe ich nicht selbst gesehen. Ich schreibe es hier trotzdem auf, damit es beieinandersteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Celestina kam in der öffentlichen Sammlung rasch hinein und wandte sich an die Bibliothekarin, eine eher stille Halbling-Frau, die vor sich hin murmelte. Ich habe nichts gegen Leute, die vor sich hin murmeln. Celestina erklärte, sie habe mit Gefährten im Auftrag der Stadtwache nachgeforscht und sei dabei auf seltsame Runen im Zusammenhang mit einem Brunnen und dem Kanal gestoßen. Sie nannte den Brunnen, das Thema Runen, mögliche alte Kulte mit Wasserbezug, das Vergessen und den Spruch, auf den wir gestoßen waren. Die Bibliothekarin verlangte erst Angaben zu Bedeutung, Fundort, Form und Grund des Interesses — eine Frau, die weiß, dass eine Frage nur so gut ist wie ihre Angaben — und verwies sie dann an Regal 3 für allgemeine Runenkunde und für das Archiv mit den Bauplänen des Kanals ganz nach hinten. An die Stelle mit den Spinnweben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei der Runenkunde fand sie eine große Menge Literatur, aber nicht die Runen vom Fundort. Immerhin notierte sie sich die häufigsten Runenarten und wo die weiterführenden Bücher stehen. Dann ging sie nach hinten zu den Plänen, ließ sich vorher die Erlaubnis geben, die Spinnweben zu entfernen, und stieg über eine Leiter hinauf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dort lag ein Plan von 1468, eine „Ergänzung zur Entwässerungsplanung südlicher Dockwards&amp;quot;. Er zeigte eine Versorgungsanlage unterhalb mehrerer Häuser: ein Gang, der zu einem runden Raum führt, bezeichnet als älteres Sammelbecken, und eine schmale Verbindung nach oben, eingezeichnet, aber nicht beschriftet. Im selben Stapel fand sie einen zweiten Plan, drei Jahre jünger. Auf dem fehlten der runde Raum und die Verbindung nach oben. Der Rest war nahezu deckungsgleich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zeichnungen ändern sich, wenn gebaut wird. Wenn aber alles gleich bleibt und nur ein Raum verschwindet, dann hat nicht der Bau sich geändert, sondern jemand die Zeichnung. Celestina sah das genauso und notierte sich die Urheber beider Pläne. Beide trugen die Insignien ihrer Zeichner, der ältere zusätzlich das Kürzel „TE&amp;quot;. Die Bibliothekarin sagte dazu, das Kürzel sei ihr schon öfter untergekommen, aber nie in einer sauberen Legende; sie habe mehrere Vermutungen, aber keinen Grund, eine davon für wahr zu halten. Eine ehrliche Auskunft. Selten genug.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zuletzt sah Celestina die Chroniken und Archive nach auffälligen Vorkommnissen in jener Gegend durch — verschwundene Menschen, wiederkehrend, oder Ähnliches. Eine Sammlung okkulten Wissens gab es in der öffentlichen Bibliothek nicht. Was sie fand, betraf überwiegend die bekannten Orte, vor allem den großen Friedhof, an dem schon das eine oder andere Unheil geschehen ist, dazu Verstreutes über eine Unterstadt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-seite-die-fehlt&#34;&gt;Die Seite, die fehlt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Gregor legte für seinen Weg die Robe an und holte das Amulett hervor, dann wurde er ohne Anstehen durchgelassen. Kleidung ist auch ein Werkzeug. Die Bibliothek des Tempels war groß, der Bibliothekar saß gleich am Eingang. Gregor schilderte, wir seien in einem Raum des alten Kanals auf merkwürdige Runen gestoßen, und gab zu, das Aussehen nur ansatzweise beschreiben zu können — nicht er, sondern eine Begleiterin hatte sie aus der Nähe betrachtet, und die hatte sofort vergessen, was sie getan hatte. Für Runen im Allgemeinen: Regal 4, die ersten fünf Ebenen. Als Gregor die „Erlöser der Tiefe&amp;quot; ins Spiel brachte, kam die abschätzige Bemerkung, das sei doch diese Hausfrauensekte; sie seien erst im Aufkommen, und ob man von ihnen schon Runen identifiziert habe, wisse er nicht. Für Sekten allgemein: Reihen 4 und 5. Man merkt sich, wer eine Sache klein redet, bevor er sie gesehen hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit dem groben Bild im Kopf durchsuchte Gregor die Bestände und fand ein Buch, das zunächst passend wirkte. Beim langen Durchblättern fiel ihm zufällig auf, dass eine Seite fehlte. Nicht herausgerissen — fein säuberlich herausgetrennt, professionell, so, dass es möglichst nicht auffallen sollte. Das ist Handwerk. Schlechtes Handwerk ist laut, gutes Handwerk sieht man erst, wenn man es sucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er trug das Buch nach vorn und zeigte dem Bibliothekar die Fehlstelle. Der bestätigte den Befund und meinte, die Seite müsse schon lange fehlen; er könne sich nicht erinnern, dass jemals jemand das Buch entliehen hätte. Auf die Frage, seit wann es im Bestand sei, holte er einen großen Wälzer hervor, blätterte und stellte fest: rund zweihundert Jahre, ganz hinten, und soweit ihm bekannt hat es seither niemand mehr zur Hand genommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausleihen ging nicht, aber lesen durfte er in der Leseecke. Gregor nahm sich die Zeit und arbeitete das schmale Bändchen durch. Abdrücke der fehlenden Seite auf den Nachbarblättern waren nach dieser Zeitspanne nicht mehr zu finden. Aus Machart und Autor schloss er, dass es sich um ältere Runen handelte, am ehesten zwergische. Die Seite, die zum Übersetzen entscheidend gewesen wäre, fehlte gerade. Über Sekten hat er nicht weiter recherchiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwergische Runen also. Ich habe meine Lehrjahre bei einem Zwerg verbracht und rede seine Sprache; gefragt hat mich niemand. Wird sich ergeben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwei Dinge behalte ich von diesem Tag. Erstens: In zweihundert Jahren hat niemand dieses Buch angefasst — außer dem, der die eine Seite herausgetrennt hat. Zweitens: Auf einem Plan verschwindet ein Raum, der drei Jahre vorher noch eingezeichnet war. Zufälle gibt es. Zwei davon, die in dieselbe Richtung zeigen, sind selten einer.&lt;/p&gt;
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    </item>
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      <title>Gefunden und vergessen</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-07-30-gefunden_und_vergessen/</link>
      <pubDate>Thu, 30 Jul 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
      <guid>https://online-resources.de/posts/2026-07-30-gefunden_und_vergessen/</guid>
      <description>&lt;p&gt;Hinter den Planken war der Kanal nicht zu Ende. Wir folgten dem Wasser, und das Wasser machte, was Wasser in einem Kanal macht: Es plätscherte. Für die meisten von uns jedenfalls.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;geister-im-wasser&#34;&gt;Geister im Wasser&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Celestina hörte mehr. Das Plätschern, erklärte sie, war für sie kein Wasser, sondern ein Flüstern — viele Stimmen durcheinander, nicht zu greifen. Hier unten mussten viele Geister oder Seelen gefangen sein. Ich habe hingehört, gründlich. Ich hörte Wasser und das, was im Kanal an uns vorbeischwamm, und über Letzteres verliere ich keine weiteren Worte. Gregor hörte ebenfalls keine Geister, wollte aber nicht ausschließen, dass hier etwas war. Lysa fragte, ob Celestina die Dämpfe hier unten womöglich nicht bekommen waren. Celestina nannte uns Narren, denen eben die Verbindung zu den Geistern fehlte. Kann sein. Ich verbinde lieber Metall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Kanarienvogel hätte zu der Frage nichts mehr beitragen können. Er war da schon verloren — in die Tiefe gefallen und von den Ratten gefressen. Kein guter Ort für Vögel, dieser Kanal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lysa drängte weiter: Geister hin oder her, Augen und Ohren offen, die Nase zu. Sie kündigte für die Zeit nach diesem Ausflug ein heißes Bad an. Gregor bot ihr Minze zum Kauen an. Sie nahm sie mit dem Hinweis, dass so etwas nur kurz half.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-engstelle&#34;&gt;Die Engstelle&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Lysa übernahm ein Stück weit die Führung und bemerkte ein schwaches Flackern, das aus einem Seitengang drang. Gregor ließ sich an der Abzweigung die Lampe reichen und spähte hinein: Der Gang war teilweise eingestürzt, passierbar nur, wenn man den Bauch einzog. Kurz kam die Frage nach den Rüstungen auf. Lysa trug keine, nur ihre normale Kleidung. Ich hatte mein Kettenhemd dabei — im Gepäck. Ein Kettenhemd im Gepäck schützt genau das Gepäck. Gregor kletterte als Erster durch, wir reichten ihm die Lampe nach und folgten.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-botin-am-wasserbecken&#34;&gt;Die Botin am Wasserbecken&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Dahinter stand man in anderem Mauerwerk. Älter, andere Hände — mit dem neuen Kanal hatte das nichts mehr zu tun. Wir erreichten ein altes Wasserbecken, in das früher offenbar Wasser aus der Wand geplätschert war. Kein Brunnen, kein Lichtschacht nach oben — nur dieses Becken unter der Erde. Ringsum Runen, wie wir sie oben an der Tür gesehen hatten — nur größer, deutlicher, weniger verblasst. Und am Becken lag eine Frau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lysa vergewisserte sich, dass im Raum keine offene Gefahr stand, dann ging sie hin; die Beschreibung passte auf die Gesuchte. Celestina folgte ihr, Gregor und ich behielten den Raum im Auge. Der Befund: Sie lebte. Lethargisch, kaum ansprechbar, eine Platzwunde am Kopf. Dann riss sie plötzlich die Augen auf, sah Lysa erschrocken an und sagte ein einziges Wort: „Vergessen.&amp;quot; Lysa sprach sie mit Namen an — Sera — und versicherte ihr, wir waren gekommen, um zu helfen. „Nein! Nein! Vergessen!&amp;quot; Dann sank sie wieder weg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor gab ihr aus seiner Flasche zu trinken, Lysa aus ihrem Schlauch. Sera trank, aber klarer wurde ihr Kopf davon nicht. Heilmagie wurde erwogen und verworfen — gegen eine Platzwunde, die niemanden umbringt, braucht es keine. Weihwasser bekam sie ausdrücklich nicht. Dehydriert war sie außerdem, sie lag also schon eine Weile hier. Wir rechneten nach: zuletzt gesehen vor zwei, drei Tagen, ein Tag davon ging für die Suche drauf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Runen waren gezielt am Becken angebracht, lesen konnte sie keiner von uns. Ritualgegenstände fanden sich nicht — kein Altar, kein Messer. Aber in einer Ecke war aufgeräumt worden, und dort roch es noch nach Weihrauch, nach Minze, Myrrhe und Salbei — Kirchengeruch, mitten im Kanalgestank. Ich wies die anderen darauf hin. Gregor bestätigte es, und Lysa sprach aus, wonach es aussah: Hier unten waren Messen abgehalten worden, Rituale, irgendetwas in der Art. Was für welche, wusste niemand.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;welche-runen&#34;&gt;Welche Runen?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Celestina kniete unterdessen am Becken. Die Runen sprachen zu ihr, wie ein Flüstern. „Sie sprechen zu mir&amp;quot;, sagte sie. Als Gregor fragte, was sie denn sagten, fuhr sie ihn an, still zu sein. Dann lauschte sie. Und hörte nicht mehr auf. Sie nahm uns nicht mehr wahr; irgendwann fragte Gregor, wie lange wir noch leise sein sollten, und bekam keine Antwort. Er schüttelte sie vorsichtig. Sie sah ihn mit großen Augen an und erinnerte sich an nichts. Die Zeit war spurlos an ihr vorbeigegangen. Ob alles in Ordnung war? „Ja, natürlich.&amp;quot; Und die Runen? „Welche Runen?&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lysa holte Gregor dazu und fragte, was passiert war; er erklärte, so etwas passierte im Wald nicht. Celestina entgegnete: „Kommt darauf an, welche Pilze man isst.&amp;quot; Dann schob sie alles auf die Störung — sie war konzentriert gewesen, das war spirituell fordernd, man konnte sie doch nicht einfach ablenken. Was die Runen ihr erzählt hatten, war vollständig weg. Gregor fragte, ob ihr das öfter passierte: sich auf etwas konzentrieren und dann vergessen, worauf. Gesund klang das nicht. Celestina wusste überhaupt nicht, wovon er redete. Genau das war das Problem.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;ein-schatten-am-eingang&#34;&gt;Ein Schatten am Eingang&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Lysa bat Celestina und mich, uns um die Botin zu kümmern; ich nahm Sera über die Schulter. Gregor prüfte mit einem Zauber, ob hier Magie gewirkt worden war. Keine. Dafür sah Lysa einen Schatten durch den Eingang huschen, durch den wir gekommen waren, und ihr war, als hörte sie ein leises, böses Kichern. Als sie genauer hinsah, war da nichts mehr. Gregor nahm sich die Ecke vor und fand nichts — Steine sehen einander ähnlich, wenn man sie sich vorher nicht eingeprägt hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lysa zog Bilanz: nichts Ritualistisches mehr im Raum, die Runen gesehen, die Botin gefunden — zurück, bevor ihr oder uns noch mehr zustieß. Der Gang führte ohnehin nicht weiter. Celestina leuchtete, Lysa ging mit der Waffe voran. An der Engstelle wurde es Handarbeit: Gregor bugsierte Sera durch das Loch und stolperte über die Steine, also griff ich mit an — man hatte mich zum Geschicktesten der Truppe erklärt, was mehr über die Truppe sagt als über mich. Mehr schlecht als recht kam Sera ohne neuen Schaden auf die andere Seite. Ob wir den Kanal noch weiter erkunden wollten, stand kurz im Raum. Lysa entschied dagegen: der Neugier halber reizvoll, aber nicht mit einer verwundeten, verwirrten Botin im Schlepptau. Dann Tageslicht. Ich habe frische Luft selten so geschätzt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;zwei-gold-und-ein-hauptmann&#34;&gt;Zwei Gold und ein Hauptmann&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Plan: erst ein Heiler für Sera, dann über die Stadtwache Alric Dorn benachrichtigen lassen. Der Heiler musterte uns misstrauisch — wir stanken wie der Kanal, aus dem wir kamen — und hielt erst einmal die Hand auf: zwei Gold, bevor er irgendetwas anfasste. Lysa fand das zu teuer und wollte weiterziehen. Celestina fragte, ob wir nicht längst einen Brief vom Auftraggeber hatten, der unsere Ermittlungen bestätigte — wegen der früheren Schwierigkeiten mit der Wache. Ich wusste von keinem Brief. Es stellte sich heraus: Es gab keinen, es hatte nie einen gegeben. Celestina schob es auf ihre Verwirrung. Gregor erwog, dass Waschen den Preis vielleicht senken könnte. Ich löste es anders und ging Alric Dorn selbst holen. Wege kann man abkürzen, Verhandlungen nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was in der Zwischenzeit geschah, erzählte man mir später: Lysa ließ den Heiler wenigstens Seras Zustand einschätzen und berichtete ihm knapp, wo wir sie gefunden hatten; Gregor drängte sie, ihren Ordensanhänger zu zeigen. Der Befund des Mannes: dehydriert und verwirrt — exakt das, was Gregor vorher schon festgestellt hatte, kostenlos. Immerhin ließ sich für Säubern und Verbinden ein kleinerer Preis verhandeln, und als der Heiler hörte, dass der Hauptmann der Wache unterwegs war, wurde er deutlich umgänglicher und machte sich an die Arbeit. Lysa bestand darauf, dass er für seine Arbeit bezahlt wurde — von Dorn oder von ihr. Richtig so. Arbeit gehört bezahlt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dorn war erleichtert, als er Sera sah, und besorgt zugleich. Ich hatte ihm unterwegs berichtet, was zu berichten war. Er dankte uns, dass wir sie gefunden hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann wurde geredet. Lysa hielt fest: Interessant wird, was Sera zu erzählen hat, sobald ihr Kopf wieder klar ist. Celestina wies auf das hin, was keinem entgangen war — Sera hatte „vergessen&amp;quot; gesagt, und ihr selbst hatte man erzählt, sie hatte etwas vergessen, an das sie sich nicht erinnern konnte. Gregor fragte nach, wie dicht Sera an den Runen gelegen hatte. Unmittelbar am Becken. Celestina wollte von Dorn einen Bannmagier oder einen Kenner dieser Art von Okkultismus, der sich die Zeichen ansehen konnte; ihr selbst waren sie fremd und unheimlich. Lysa gab zu bedenken: Die Runen und das Vergessen waren das eine — Seras Platzwunde stammte sicher nicht von Zeichen an einer Wand. Gregor tippte auf den Kichernden oder jemanden aus dessen Umfeld. Celestina schloss die Ratten aus und rechnete vor, was mit jemandem geschieht, der mit einem Gespür für solche Energien allein dort hinuntersteigt und von niemandem angestoßen wird: Der verhungert und verdurstet vor diesen Runen, während er sie betrachtet. Bemerkenswert blieb: Gesehen hatten die Runen alle. Gehört hatte sie nur Celestina. Oder auch nicht — sie weiß es ja nicht mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass man sich die Zeichen noch einmal ansehen musste, bestritt niemand. Mit jemandem, der Wache hält, mahnte Gregor. Vielleicht nicht alle gleichzeitig, ergänzte Lysa. Vorher aber: herausfinden, was Sera dort unten überhaupt gewollt hatte. Auf Celestinas Frage, wo man in dieser Stadt etwas über Zeichen und Runen erfährt, kam von Dorn eine Antwort in Hauptmannslänge: „Bibliothek?&amp;quot; Eine Wegbeschreibung gab er dann doch noch dazu. Für Lysa hatte er auch etwas: Sie konnte ihre Armbrust wieder abholen — er ging davon aus, dass man sich einig war. Lysa bestätigte das. Dann erklärte er, Sera brauchte jetzt Ruhe, gab dem Heiler ein paar Münzen extra dafür, dass er sich um sie kümmerte, und kündigte an, am nächsten Tag nach ihr zu sehen. Celestinas Frage, was Sera bei sich getragen hatte — Schriftstücke, Notizen vielleicht —, brachte Lysa noch bei Dorn vor. Der sah die Botin an und entschied: heute nicht mehr. Lysa wollte am Morgen wiederkommen. Er auch.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;grünes-feuer&#34;&gt;Grünes Feuer&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Blieb das Letzte, und das duldete keinen Aufschub: das Waschen. Celestina schlug das Badehaus vor — erst reinigen, dann die Bäder und Schwitzbäder, Badehut aus hygienischen Gründen, Handtuch nicht vergessen. Lysa stimmte zu: Man musste sicher noch einmal dort hinunter, aber für heute kam der Dreck aus den Poren. Gregor hielt Schwitzhöhlen für albern, er wollte sich nur sauber machen — sonst wusch er sich zu neun Zehnteln der Zeit in kalten Strömen. Für die Bibliothek war es an diesem Tag ohnehin zu spät, die schloss bald. Das war etwas für morgen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich ging nach Hause und verbrannte meine Kleidung in der Esse. Das Feuer brannte grün. Ein Schmied sieht gern in Flammen. Grüne hatte ich lange nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Danach schlief ich, wie man nach so einem Tag schläft: gründlich. Am Morgen fühlten wir uns alle gestärkt — die Botin gefunden, der erste Abschnitt der Arbeit getan. Man merkt es einem Werkstück an, wenn es die erste Härtung übersteht. Als Nächstes die Bibliothek. Bücher sagen einem nicht, ob ihr Inhalt hält — aber Runen, die einer Frau das Erinnern nehmen, sehe ich mir lieber auf Papier an als noch einmal aus der Nähe.&lt;/p&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Acht Ratten und kein Zeichen</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-07-23-acht_ratten_und_kein_zeichen/</link>
      <pubDate>Thu, 23 Jul 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
      <guid>https://online-resources.de/posts/2026-07-23-acht_ratten_und_kein_zeichen/</guid>
      <description>&lt;p&gt;Beim letzten Mal waren wir am Licht gescheitert. Nicht an den Ratten, nicht an einer Rune, nicht an der Wache — am Licht. Also kehrten wir mit Vorbereitung in den Kanal unter dem Hafenviertel zurück: Gregor trug seine Lampe, und ich trug die Gewissheit, dass ich in meiner Werkstatt hätte stehen und etwas Sinnvolles tun können. Stattdessen stieg ich in die Kanalisation von Waterdeep, um Ratten abzufackeln. Für Sera, sagte ich mir. Die Spur war es wert.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;licht-im-kanal&#34;&gt;Licht im Kanal&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Unten war es so dunkel, wie es nur unter einer Stadt werden kann. Gregors Lampe warf einen weiten, ehrlichen Schein — Licht ist wie gutes Werkzeug: Man merkt erst, was es wert ist, wenn man ohne dasteht. Der Kanal zog sein träges, schmutziges Wasser durch die Mitte der Gänge, an den Rändern liefen schmale Stege, über eine Engstelle hatte irgendwer vor langer Zeit Planken gelegt. Rohre durchzogen Wände und Decke, verrostet, aber solide gearbeitet — wer auch immer das vor hundert Jahren verlegt hatte, verstand sein Handwerk besser als mancher Schmied, den ich kenne. An einer Kreuzung zischte Dampf aus den Leitungen und hing als warmer Nebel im Gang.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;ratten&#34;&gt;Ratten&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;An den Planken kamen sie aus dem Dunkel — fünf auf einen Schlag, flink, nass und mit mehr Zähnen als Verstand. Gregor stürmte vor, ehe einer von uns etwas sagen konnte, und stand mitten zwischen ihnen. Sein Panzer tat, was gute Arbeit tut: ihre Aufgabe. Die Bisse fanden Stahl statt Fleisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich schickte einen Feuerstrahl über das Wasser. Der erste versengte einer Ratte nur das Fell — zäher, als sie aussahen, das muss man den Biestern lassen. Celestina kam an Gregor nicht vorbei; sie ließ sich die Laterne reichen und hielt uns das Licht, und dann ließ sie ihre Glocke sprechen. Kein Läuten von einem Turm — ein dumpfer, kalter Schlag, wie ein Hammer auf ungehärtetem Stahl, aus keiner Richtung und aus jeder. Die Ratten duckten sich, als hätte man ihnen ins Ohr geschlagen. Ich arbeite ungern neben Totenglocken. Aber ich bestreite nicht, dass sie wirken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor erschlug eine mit der Keule, dann sprach er sein Wort, und für einen Atemzug war der Kanal taghell — zwei Ratten verbrannten in einem Licht, das nicht von dieser Lampe kam. Lysa hatte ihr Jagdmal auf die Beute gelegt und arbeitete mit dem Stab, ruhig und ohne Hast, wie jemand, der weiß, dass Hast nur danebengeht. Meine nächsten Feuerstrahlen saßen besser: Einer davon brannte einer Ratte den Kopf weg, den sie gerade aus der Brühe streckte. Kein Anblick für die Chronik der Stadt. Aber gründlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kaum lagen die fünf, kamen drei weitere. Diesmal war Gregor der Schnellste — der Kriegshammer machte kurzen Prozess, so sauber, wie man einen Nietkopf setzt. Celestinas Glocke schlug noch einmal, Lysas Stab traf die markierte Ratte mit einem Hieb, der das Thema beendete. Danach war es still. Acht Kadaver trieben im Wasser, und von uns hatte keiner mehr abbekommen als ein paar Kratzer. Lysa meinte, verletzt war sie nur in der Ehre.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;zeichen-oder-ungeziefer&#34;&gt;Zeichen oder Ungeziefer&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Über den Kadavern gingen die Meinungen auseinander. Celestina fand die Biester zu zäh für gewöhnliches Ungeziefer — verflucht, sagte sie, und ein Zeichen, dass wir auf der richtigen Spur waren. Lysa hielt es kürzer: Kanalratten, klein, flink, lästig, mehr nicht. Gregor schlug sich auf ihre Seite. Ich habe nicht Tierkunde gelernt, ich habe Metall gelernt — aber ich weiß, dass man aus acht toten Ratten keine Prophezeiung schmiedet. Noch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jemand warf die Frage auf, ob man die Kadaver bei der Stadt gegen Kopfgeld abgeben könne, wie es die Rattenfänger tun. Die Begeisterung, sie einzusammeln, hielt sich in Grenzen; am Ende fasste sie keiner an. Acht Kadaver, kein Kopfgeld, kein Zeichen — die Bilanz eines Abends in der Kanalisation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von Sera fanden wir an diesem Tag keine Spur — nur einen Kanal, der tiefer führt, und Wasser, das irgendwohin will. Beim nächsten Mal steigen wir weiter hinab. Ich nehme Ersatzöl für die Lampe mit. Am Licht soll es nicht noch einmal scheitern.&lt;/p&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Verschimmelter Käse und eine Prophezeiung</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-07-09-verschimmelter_kaese_und_eine_prophezeiung/</link>
      <pubDate>Thu, 09 Jul 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
      <guid>https://online-resources.de/posts/2026-07-09-verschimmelter_kaese_und_eine_prophezeiung/</guid>
      <description>&lt;h2 id=&#34;die-nachtwache&#34;&gt;Die Nachtwache&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Gregors Keule und der Stock waren fertig – Holz im Feuer gehärtet, mit Metallschleifen verstärkt, solide Arbeit. An Thyras Stab mit den Glöckchen saß ich noch; so etwas baut man nicht zwischen zwei Handgriffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Abend kamen wir in der Krummen Möwe zusammen und besprachen uns. Was wir bis dahin über die verschwundene Botin Sera zusammengetragen hatten, war wenig Handfestes: eine Zeichnung von ihr, das Gerede ein paar inoffizieller Boten, die sich in einer Kneipe trafen, und eine alte Nachbarin, die aus ihrem Fenster mehr sah, als ihr guttat. Gregor wiederum hatte sich, wie er erzählte, in der Kapelle des Valor umgesehen – das ist seine Sache, nicht meine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Später beschlossen die Anderen, die Nacht über Wache zu halten, damit der Taverne nichts zustieß. Thyra übernahm die erste Schicht, dann Celestina, zuletzt Gregor. Ich hielt nichts davon, auf einem Wirtshausstuhl zu sitzen und in die Dunkelheit zu starren. Ich ging nach Hause und schlief in meinem eigenen Bett. Wer am Amboss steht, braucht seinen Schlaf.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;seras-wohnung&#34;&gt;Seras Wohnung&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Am nächsten Tag machten wir uns gemeinsam auf, das Haus zu untersuchen, in dem Sera gewohnt haben sollte. Ein schmales Mehrfamilienhaus, vier Wohnungen vielleicht. Wir gingen einmal vorsichtig darum herum, bevor wir hineingingen. Aus einem Fenster im Obergeschoss sah ein Bewohner heraus und erzählte uns, Sera hatte oben unterm Dach gewohnt – und ihre Tür hatte eigentlich offengestanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Offen stand sie nicht. Als wir das Dachgeschoss erreichten, war sie verschlossen. Ich nahm meinen Dolch und setzte ihn am Riegel an. Beim ersten Mal rutschte ich ab – falsches Werkzeug für die Arbeit. Beim zweiten Mal legte ich mich hinein, und der Riegel gab nach. Billiges Zeug, schlecht gehärtet. Metall lügt nicht: Wer so ein Schloss verbaut, will keine ernsthaften Einbrecher fernhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drinnen war es ordentlich, aber leer. Niemand war da. Auf dem Tisch lagen noch Essensreste – Käse, der schon Schimmel angesetzt hatte. Man verlässt eine aufgeräumte Wohnung nicht und lässt sein Essen verrotten, wenn man in Ruhe aufbricht. Sera war in Eile fort.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;der-zettel&#34;&gt;Der Zettel&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Während wir die Räume absuchten, zog Celestina eine Schublade auf und fand einen kleinen Zettel. Darauf eine grobe Zeichnung – ein Stadtbrunnen – und ein paar Zeilen, die niemand von uns recht einordnen konnte:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Möge die Erinnerung ruhen.
Mögen alte Wunden schlafen.
Möge die Stadt vergessen, damit sie weiterleben kann.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Ich verstehe mich auf Nähte und Nieten, nicht auf Sprüche wie diesen. Aber wer so etwas aufschreibt und neben eine Brunnenzeichnung legt, meint damit etwas Bestimmtes.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-wache&#34;&gt;Die Wache&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wir hatten den Riegel kaum aufgebrochen und uns ein wenig umgesehen, da stand schon die Wache in der Tür – ein Sergeant mit ein paar Mann, im Auftrag von Hauptmann Alric Dorn. Eine aufgebrochene Wohnung und ein Haufen Fremder davor: Man musste kein Wachmann gewesen sein, um zu sehen, wie das aussah. Einer nannte uns geradeheraus Einbrecher. Der Nachbar, der sie geholt hatte, war unserer Sache auch nicht wohlgesonnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich war fünf Jahre bei der Garde. Nun stand ich vor einer aufgehebelten Tür und ließ mir vorwerfen, was ich früher selbst untersucht hätte. Wir erklärten, worum es ging, und suchten die Wache auf, um zu melden, was wir gefunden hatten. Der Sergeant nahm die Sache mit dem Zettel entgegen. Die krakelige Schrift, meinte er, könnte zu einer Sekte gehören – den Erlösern der Tiefe, die im Viertel schon öfter für Unruhe gesorgt hatten. Denselben Namen hatten wir bei der Suche nach Sera bereits gehört. Und es war Alrics Sache, die er uns aufgehalst hatte; nun lag sie wieder bei seinen Leuten auf dem Tisch.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;der-brunnen&#34;&gt;Der Brunnen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Zettel wies auf einen ganz bestimmten Brunnen, und den suchten wir auf – einen alten Ziehbrunnen, wie ihn die Zeichnung zeigte. Gregor sprach seinen Zauber, um nach Magie zu suchen. Am Brunnen selbst fand er nichts. Celestina hatte das bessere Auge: An einem Gebäude gleich daneben, über einem alten Kellerabgang unten im Hafenviertel, entdeckte sie eine verwitterte Rune in der Wand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Runen sind eher mein Gebiet als das eines Priesters. Ich habe genug Metall graviert, um zu wissen, dass niemand ein Zeichen in eine Wand schlägt, ohne dass es etwas bedeuten soll. Also gingen wir hinein.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;der-kanal&#34;&gt;Der Kanal&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Tür am Kellerabgang ließ sich leicht öffnen – kein Riegel, der diesmal Ärger machte – und dahinter ging es abwärts. Unten lag ein alter, dunkler Kanal, durch den schmutziges Wasser lief. Es roch nach Hafen und Fäulnis. Wir folgten dem Wasser abwärts, in Richtung der Docks, und suchten die Wände und Seitenarme nach weiteren Zeichen ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weit kamen wir nicht. Aus dem Dunkel kam das Kratzen von Ratten, und Zeichen fanden wir keine mehr. Ohne ordentliches Licht hatte es keinen Sinn, tiefer zu gehen. Wir brachen ab und nahmen uns vor, den Kanal beim nächsten Mal weiter abzugehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So blieb es – wie Thyras Glöckchenstab auf meiner Werkbank: eine angefangene Arbeit, die auf das nächste Mal wartete.&lt;/p&gt;
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    </item>
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      <title>Nicht ganz tödliche Waffen</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-07-02-nicht_ganz_toedliche_waffen/</link>
      <pubDate>Thu, 02 Jul 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
      <guid>https://online-resources.de/posts/2026-07-02-nicht_ganz_toedliche_waffen/</guid>
      <description>&lt;h2 id=&#34;die-werkstatt&#34;&gt;Die Werkstatt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Zuhause geschlafen, kehrte ich am nächsten Morgen zur Gruppe zurück. Die anderen wollten neue Waffen kaufen – solche, die den Gegner nicht gleich töten. Mit meinem Hammer und meinem Dolch komme ich klar, das reicht mir eigentlich. Dann fiel ihnen ein, dass sie einen Schmied dabeihatten, der das alles günstiger hinbekam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich führte sie in meine Werkstatt. Ein einfacher Knüppel, ein Stock – kein Problem. Thyra wünschte sich dagegen eine Art musikalischen Kampfstab mit Glöckchen. So etwas hatte ich nicht da. Also machten sich die anderen auf zum Markt, während ich mich an die Arbeit machte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Keule gelang: Holz im Feuer gehärtet, mit Metallschleifen verstärkt. Beim Stock das Gleiche. Als ich fertig war, waren die Glöckchen immer noch nicht da, und ich hatte noch nichts gegessen. Also zum Markt, wo ich die anderen wiedertraf. Thyra drückte mir die Glöckchen in die Hand – aber ich weigerte mich, das Zeug mit mir herumzuschleppen und dabei wie ein Hofnarr zu klingeln.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-boten-gilde&#34;&gt;Die Boten-Gilde&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die anderen wollten zur Boten-Gilde, um nach Sera zu fragen. Da ich den Weg kannte, führte ich sie hin. Kaum angekommen, war sofort jemand da, der wissen wollte, wie er uns „helfen&amp;quot; könnte – sprich: wie er uns am schnellsten wieder loswerden könnte. Als wir Sera ansprachen, wurde die Stimmung spürbar angespannt. Thyra fing sofort an, alles Mögliche zu erzählen, unter anderem, dass wir die Tavernen beschützen wollten. Reines Chaos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Immerhin erfuhren wir: In der Gilde machte man sich Sorgen, Sera wurde seit zwei Tagen vermisst. Die anderen fragten auch direkt nach, welche Nachrichten Sera überbracht hatte oder überbracht haben könnte – aber darüber redete man dort grundsätzlich nicht, wenig überraschend. Zumindest war gesichert, dass man sie noch gesehen hatte, nachdem wir mit der Suche begonnen hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie war nervös gewesen, hatte vorsichtig etwas von „vergessen&amp;quot; gemurmelt. Mit den Erlösern der Tiefe – was auch immer das genau war – hatte sie wohl nichts zu tun. Sehr zurückhaltend, sehr ruhig. Wir bekamen sogar ihre vermutliche Adresse. Die Leute, mit denen sie gearbeitet hatte, machten sich ebenfalls Gedanken – sie war sonst immer zuverlässig gewesen, von Problemen, Feinden oder Streit hatte niemand etwas gehört.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-straße-in-der-sie-wohnte&#34;&gt;Die Straße, in der sie wohnte&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wir sahen uns die Straße an, in der sie vermutlich gewohnt hatte. Keine gute Gegend – hier lebten Leute, die sich nichts leisten konnten oder untertauchen wollten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir trafen eine alte Frau aus der Nachbarschaft, und die anderen unterhielten sich mit ihr über Blumen und Kochen, aus welchem Grund auch immer. Es dauerte ewig, bis das Gespräch auf die vermisste Botin kam. Immerhin wusste die Alte: Sera war eine ganz Liebe gewesen und hatte seit etwa einem halben Jahr, vielleicht einem Jahr, seltsame neue Freunde gehabt. Seitdem war auch sie selbst seltsam geworden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Irgendwann kamen Leute vorbei, verhüllt gekleidet. Niemand von uns konnte sie irgendeiner Partei zuordnen. Wir sahen uns Seras Haus noch von außen an, entdeckten aber nichts und beschlossen, zurück in die Krumme Möwe zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;was-gregor-in-der-kapelle-fand&#34;&gt;Was Gregor in der Kapelle fand&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Gregor erzählte, der seltsame Priester, den wir seit einer Weile im Hafen bemerkt hatten, war ein Priester des Valor. Damit wohl eher nichts, was uns betreffen müsste. Er hatte sich in der Kapelle umgesehen, den Priester aber nicht angetroffen – der war gerade nicht da. Gregor wollte zur Messe am Sonntag noch einmal hin. Beim Verlassen der Kapelle, sagte er, hatte er sich seltsam beschwingt gefühlt. Ich habe dazu keine Meinung. Kapellen sind nicht mein Fachgebiet.&lt;/p&gt;
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    </item>
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      <title>Zwei Tote und kein Bier</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-06-18-zwei_tote_und_kein_bier/</link>
      <pubDate>Thu, 18 Jun 2026 20:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
      <guid>https://online-resources.de/posts/2026-06-18-zwei_tote_und_kein_bier/</guid>
      <description>&lt;h2 id=&#34;die-krumme-möwe&#34;&gt;Die Krumme Möwe&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Nach Feierabend wollte ich nichts weiter als ein Bier. Immerhin hatte ich den ganzen Tag hart an den Knüppeln für die Wache gearbeitet. Stattdessen betrat ich die Krumme Möwe und fand zwei Leichen auf dem Boden und Gregor, Lysa, Thyra und Celestina, die sich aus purer Not in den letzten Tagen zusammengefunden hatten, reichlich lädiert und im Zentrum jeder Aufmerksamkeit im Raum. Wo war ich da nur reingeraten.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;ein-bier-das-nicht-kommt&#34;&gt;Ein Bier, das nicht kommt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Während die Truppe die Toten fledderte – ich vermute, es gibt ein Gesetz dagegen, aber das ist nicht mein Fachgebiet –, setzte ich mich hin, um mein Bier zu bestellen. Old Jordan, der Wirt, war jedoch so aufgeregt wegen der Leiche in seiner eigenen Taverne, dass er mich schlicht vergaß. Kein Bier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beim Warten bekam ich mit, wie Gregor Old Jordan beruhigte: Die Toten waren Schläger, die Schutzgeld von der Taverne wollten. Notwehr. Zumindest hatte er nun erst einmal seine Ruhe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allerding war ein Teil der Bande war trotzdem entkommen, was vielleicht später zu einem Problem werden könnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich hatte übrigens noch immer kein Bier.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;alte-kollegen-neue-sorgen&#34;&gt;Alte Kollegen, neue Sorgen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Neuigkeit, dass in der Taverne Tote lägen, hatte sich schon herumgesprochen – weshalb mein alter Kollege Alric Dorn, Hauptmann der Wache, hereinkam, um nach dem Rechten zu sehen. Gregor gab sich alle Mühe, die Lage zu erklären: Lysa hatte wohl ein bisschen zu fest zugeschlagen, als die Bande die Taverne überfallen wollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alric Dorn war von Selbstjustiz nicht begeistert, und auch ich wurde in die Sache hineingezogen – schließlich hätte ich es als ehemaliger Wachmann besser wissen müssen. Ich konnte glaubhaft versichern, dass ich gerade erst gekommen war und mit der Sache nichts zu tun hatte. Old Jordan bestätigte das. Lysa musste trotzdem später zur Wache – ein Bolzen zwischen den Augen war etwas viel Notwehr. Es mussten außerdem weitere Wachleute geholt werden, um sich um die Taverne zu kümmern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um die Lage zu beruhigen, bot ich an, die Wachmannschaft zu holen. Irgendjemand musste den Tatort sichern und später reinigen, und das war Arbeit, die ich selbst oft genug gemacht hatte. Immer noch kein Bier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich holte die ehemaligen Kameraden und kehrte zurück, in der Hoffnung, endlich doch noch zu meinem Bier zu kommen. Während die Jungs sich um alles kümmerten, versuchte ich mein Glück erneut. Erst als die Leichen fort waren und Old Jordan die Taverne schloss, bekam ich es endlich. Beim Trinken fiel mir auf, wie schlampig die ehemaligen Kameraden aufgeräumt hatten. Noch immer eine faule Bande.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;der-auftrag&#34;&gt;Der Auftrag&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Spät am Abend versammelten sich alle noch einmal in der Krummen Möwe. Gregor wollte wissen, wo ich den ganzen Tag gewesen war – man hätte mich gut gebrauchen können. Ich wusste nicht, wie es bei Klerikern lief, aber ich musste arbeiten, um Geld zu verdienen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gregor machte sich Sorgen, dass die entkommenen Bandenmitglieder den Rest der Bande warnen würden und dieser glauben könnte, Old Jordan hätte die Truppe zu seinem Schutz angeheuert – mit entsprechender Rache im Gepäck. Ich hielt dagegen, dass es in dieser Gegend öfter vorkommt, dass sich Leute einmischen. Muss nichts bedeuten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Lysa von der Wache zurückkam, hatte sie einen Auftrag: Nach Sera der vermissten Botin suchen. Alric Dorn wollte offenbar wissen, wo man in der Hafengegend eine verschollene Botin finden könnte – das Thema schien ihm sehr zuzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich hatte keine Ahnung, wo sich Leute im Hafen versteckten. Aber ich hatte eine Idee, wo man Leute fand, die andere verschwinden ließen. Gregor wollte, dass ich half. Gut. Alric Dorn hatte mich ohnehin schon danach gefragt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass ich nach all dem Drama sogar noch ein zweites Bier bekam, wollte ich als Zeichen deuten. Ich sagte zu, ein paar Orte abzuklappern. Lysa und Gregor wollten mit. Der Kleriker wollte sich morgen allerdings noch umziehen, um nicht so sehr aufzufallen – ein Geistlicher, der überall Fragen stellte, blieb im Gedächtnis. Auch Lysa wollte sich sicherheitshalber verkleiden. Die anderen blieben über Nacht in der Taverne, für den Fall, dass die Schläger noch einmal vorbeikamen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;durch-kanäle-und-kaschemmen&#34;&gt;Durch Kanäle und Kaschemmen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Zuhause ausgeschlafen, kehrte ich am nächsten Morgen zurück. Gemeinsam klapperten wir die Abflüsse der Kanalisation zum Hafen, das Rotlichtviertel und ein paar heruntergekommene Wohngegenden ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An der Ecke, bis zu der Lysa die fliehenden Schläger am Vorabend verfolgt hatte, fanden sie eine Blutspur. In Sachen Spurensuche müsste sie deutlich besser sein als Gregor oder ich – wir konnten nichts entdecken. Ein anderes Problem, das sich nicht lösen ließ, indem man es länger ansah.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-blutspur-die-nirgendwohin-führte&#34;&gt;Die Blutspur, die nirgendwohin führte&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wir suchten alle Orte ab, von denen ich wusste, dass Leichen auftauchen könnten. Die anderen beiden waren sich unsicher und wollten sichergehen, dass wir nichts übersahen. Als ehemaliger Wachmann konnte ich ihnen versichern, dass ich die zwielichtigen Orte meiner Heimat kannte und wir nichts übersehen hatten. Dass wir keine Leiche der Botin fanden, ließ mich hoffen, dass sie noch lebte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir teilten uns auf. Ich fragte ein paar alte Bekannte, ob sie Sera kürzlich gesehen hätten. Heraus kam folgendes: Seit etwa zwei Wochen wurde sie immer seltener gesehen, in den letzten zwei Tagen gar nicht mehr. Einer glaubte, sie gestern noch am Brunnen des Stadtviertels gesehen zu haben – war sich aber nicht sicher. Könnte auch jemand anderes gewesen sein.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;der-neue-prediger&#34;&gt;Der neue Prediger&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Am Abend trafen wir uns wieder in der Krummen Möwe, und die anderen berichteten von den wildesten Gerüchten, die sie aufgeschnappt hatten. Keines davon betraf ein Verschwinden. Allerdings war es in der Hafengegend seit einiger Zeit deutlich friedlicher geworden – wegen eines neuen Predigers, der viel für das Viertel tat. Es gab inzwischen sogar eine kleine Kapelle für ihn. Zu Sera berichteten auch die anderen, man hatte sie vor etwa zwei Tagen, vielleicht gestern, zuletzt gesehen. Gregor hatte herausgefunden, dass sie mit ziemlicher Sicherheit kein Schiff bestiegen hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das Erzählen hatte mich durstig gemacht. Ich versuchte, den Kleriker dazu zu überreden, mir ein Bier auszugeben. Der gerissene Hund drehte es so, dass ich am Ende den ganzen Abend die Runden bezahlte.&lt;/p&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Der Anfang, den ich nicht aufgeschrieben habe</title>
      <link>https://online-resources.de/posts/2026-04-23-der_anfang_den_ich_nicht_aufgeschrieben_habe/</link>
      <pubDate>Thu, 23 Apr 2026 21:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hnsstrk</author>
      <guid>https://online-resources.de/posts/2026-04-23-der_anfang_den_ich_nicht_aufgeschrieben_habe/</guid>
      <description>&lt;h2 id=&#34;bevor-ich-anfing-zu-schreiben&#34;&gt;Bevor ich anfing zu schreiben&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ich hatte erst seit Kurzem angefangen, Buch über das zu führen, was diese Truppe trieb. Was davor war, hatte ich nicht mitgeschrieben – ein Notizbuch gehörte damals noch nicht zu meiner Ausrüstung. Was die anderen in dieser Zeit trieben, kann ich ohnehin nicht sagen – ich war in der Werkstatt oder am Hafen, mit meinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Der Vollständigkeit halber trotzdem, was ich selbst noch weiß.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;die-werkstatt-und-das-wartende-schiff&#34;&gt;Die Werkstatt und das wartende Schiff&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ich hatte in der Werkstatt alle Hände voll zu tun, mein Meister war fort – den Tag über reparierte ich Rüstungen. Erst gegen Abend, als das Einlaufen der Rosalinde bevorstand, ging ich zum Hafen hinunter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An Bord redete ich mit dem ersten Maat, um Klaus zu finden – einen Bekannten, bei dem das bestellte Metall lag. Klaus wollte es aber nicht auf der Stelle herausrücken, also gingen wir zusammen in die Krumme Möwe.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;der-metallklumpen&#34;&gt;Der Metallklumpen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Am nächsten Morgen kam ich zur Rosalinde zurück und bekam dort den Klumpen Metall, durchzogen von Runen – Material für die alte Rüstung, an der ich seit Jahren in meiner Werkstatt arbeitete. Was die Runen bedeuteten, wusste ich damals noch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;ein-probeknüppel-für-alric-dorn&#34;&gt;Ein Probeknüppel für Alric Dorn&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Alric Dorn kam am Morgen in die Werkstatt und bestellte ein paar Knüppel für die Wache. Ich zeigte ihm einen Probeknüppel. Er hatte genug eigene Sorgen: Eine Botin war verschwunden, und das Dock wurde von einer Erpresserbande heimgesucht. Ich versprach, mich ein wenig umzuhören, auch ohne selbst zur Wache zu gehören.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Abend war ich wieder in der Krummen Möwe, wie inzwischen üblich. Auch Alric war da – er suchte noch immer dieselbe Bande.&lt;/p&gt;
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    </item>
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